DDR Personalausweis

30 Jahre Mauerfall – MEINE irre Flucht aus der Ost-Zone

30 Jahre Mauerfall. 
Heute, am 09.11.1989, fiel der Antifaschistische Schutzwall.
Die Ost-Zone war Geschichte.
Mitte September flüchteten wir über die Tschechei, schwammen durch die Donau, nach Ungarn, in die Freiheit. 
Ein Versuch eines Fluchtprotokolles. 

Nie wieder Sozialismus, nie mehr Kommunismus!
Filme, wie „Bornholmer Straße„, indem nach der irren Meldung in Schabowskis Pressekonferenz die letzten verwirrenden Stunden bis zum endgültigen Öffnen des Schlagbaumes zu einem hilflosen Gerangel führten, „Das Leben der Anderen„, wenn die Stasi durch ihre Erpresser-Methoden ihr echtes Gesicht zeigte, um Menschen gefügig zu machen, die wahre Begebenheit „Kranke Geschäfte„, in der wegen dringender Devisen-Einnahmen Medikamentenstudien an ahnungslosen „Patienten“ in der Berliner „Charité“ durchgeführt wurden oder sogar „Der Junge Karl Marx„, der mit seinen Theorien den ganzen Sozialismus, bis auf ein paar letzte Ausnahmen gegen die Wand gefahren hat, zeigen, wie beschissen unser Leben war.
Sie laufen wieder im MDR, dem ehemaligen DDR1-Fernsehen, rauf und runter und erinnern an ein Land, welches die Diktatur vollzog, aus der sich mindestens die Hälfte der Bürger entziehen wollte, weil das Bückwaren-Prinzip, Miss- und Plan-Wirtschaften für katastrophale (Über)Lebenssituationen sorgte und Meinungs-, Entfaltungs- und Reisefreiheiten, sowie Mode komplett verboten waren.

Wir rissen die Mauer von innen und von außen ab, schafften etwas, was nicht möglich schien, weil wir von diesen faschistischen Hitler-Methoden die Schnauze voll hatten.

DDR – wie im Stasiknast mal eben Akten prüfen.

Meine irre Flucht aus der DDR

Es ist Mitte September, 1989. Ich bin seit Wochen nicht mehr zu meiner Arbeit als gelernter Bäcker in meiner Heimatstadt Schwerin gegangen, habe mich teilweise im Wald versteckt, weil kurz zuvor mein Einberufungs-Befehl in den Armee-Dienst per Brief eingegangen war, auf den ich mich stellen hätte müssen. Auf gar keinen Fall wollte ich dieser Aufforderung nachkommen und wartete auf eine Gelegenheit, mich dem Gehorsam zu entziehen. Zivil-Einsätze in Krankenhäusern oder Kindertagesstätten kannte der Unrechtsstaat nicht. Daher mussten andere Lösungen her.

Ein Nachbar fragte mich plötzlich ganz konsequent: „Eri…“ (das war mein Spitzname in der Ostzone) „…wir wollen abhauen. Willste mit?“ Ich: „Wie viel Zeit habe ich noch nachzudenken…? ER: „Fünf Minuten!“ ICH: „OK, wir machen das…“

Mit unserem letzen,

…zusammengekratztem Geld, gekauftem Hin- und Rückfahrt-Zugticket, setzten wir uns mit einem Rucksack und den nötigsten Utensilien bewaffnet in Bewegung. An der Grenze zur Tschechoslowakei hielt der Transport der Deutschen Reichsbahn, mit seinem museumsreifen Abriss-Wagons und steinharten Holz-Sitzbänken eine gefühlte Ewigkeit lang. Wie in einem schlechten Kriegsfilm stürmten uniformierte Soldaten aus allen Richtungen mit Maschinenpistolen das Abteil und kontrollierten Ausweise und durchwühlten all unsere Sachen, als wenn sie willkürlich jeden verdächtigten, der flüchten möge.

Einer von uns, der Rote, so genannt, weil sein Erkennungsmerkmal komplett aus weißer Haut und roten Haaren bestand, hatte doch zuvor und tatsächlich „nur“ eine One Way-Fahrkarte gelöst und auch noch seinen Facharbeiterbrief (so hieß der Ausbildungsnachweis) in der Tasche, der beweisen sollte, was er einmal gelernt hatte, um sogleich im Westen einen Job bekommen zu können. Das jedoch, ging mächtig in die Hose: „Mitkommen, Austreten…!“, schrie ihn einer der Uniformierten krass laut und bestimmend mit gebrochenem Deutsch an. Damit war nicht etwa der Gang auf die Toilette gemeint, nein. Eher hieß es, er solle den Zug sofort verlassen, wie auch gefühlt die Hälfte aller Muttis, die mit ihren Kindern eine neue Zukunft geplant hatten. Die „Enttarnten“ hatten sich in Reih´ und Glied auf dem Bahnsteig zu versammeln, für den Abtransport, zurück in die Ost-Zone.
Schindlers Liste lässt grüßen!

DDR – Reisen nach Vietnam waren zu Ost-Zonen-Zeiten strengstens verboten.

Nachdem der Zug anrollte,

…gab es unsererseits die größte Erleichterung über die Weiterreise. Von Prag aus organisierten wir uns das Schwarztaxi, welches uns an die Donau zu bringen hatte. Vor Ort sprachen uns die sogenannten „Fluchthelfer“ an, die es mittlerweile zuhauf gab, deren Aufgabe es war, unsere Sachen über die Brücke, auf die andere Seite, in die Freiheit zu bringen.

Dann schwammen wir einfach los, gegen die seitliche Strömung von Rechts. 30 weitere Flüchtlinge, die stundenlang in den Büschen auf die Dunkelheit warteten, folgten uns in einer irren Traube, teilweise mit Sack und Pack auf dem Rücken. Das Risiko schätze einer nicht hoch genug ein. Sein Seesack zog soviel Wasser in sich ein, dass der Kerl mit samt seinen „Schätzen“ auf halber Höhe der geschafften Strecke absoff und nicht mehr auftauchte…

Weiter geht’s, denn wir können nicht helfen. Gegenseitig stachelten wir uns an, um diese Leistung zu erbringen, die benötigt wird, die nasse Grenze zu überwinden. Schließlich sollte sich das harte Training der letzten Wochen, aufgrund der Spekulationen, die es gegeben hatte, JETZT auszahlen. Am „Strand“ Ungarns angelangt, waren wir die ersten des Tages, die es geschafft hatten, den Roten Socken zu entkommen. Und wieder stürmen uns Grenzer mit Gewehren schreiend und wild gestikulierend entgegengelaufen. Sicherheitshalber kniete ich mich, die Hände zusammenfaltend und betend in die Höhe streckend, mit den Worten: „Lieber Gott, lass es wahr sein…“, auf den Sand und ließ mich so widerstandslos festnehmen.

In der Freiheit

Pro Forma! Wir wurden von der Bundesrepublik mit der Wahrheit nicht im Stich gelassen. Denn die Nachrichten des Westens waren real, sie stimmten, hatten uns ermutigt, zu handeln. Die des Ostens nicht, waren komplett auf Lügen-News aufgebaut! Das bestätigte uns der Ober-General Ungarns ebenso und setzte uns und ca. 50 weitere Wegläufer des Tages in einen Bus an die österreichische Grenze!
FREIHEIT, endlich frei…!

DDR – Mode und Abriss, das passte in der Ostzone nie zusammen…

Das Ganze wirkte im Nachhinein

…wie ein Spiel, welches zu glatt und ohne Hindernisse über die Bühne ging. Nur, vielen Anderen erging es nicht so. Und darum appelliere ich daran, die Stimmung heute nicht durch Rechts und Links kippen zu lassen, die Grenzen nicht wieder hochziehen zu wollen oder anders aussehende und denkende zu verurteilen.

Meine Erfahrungen mit der SED

…gab ich sogar schon an Schulen, als lebender Zeitzeuge in einer Unterrichtsstunde weiter. Interessant zu sehen, wie (un)weit eine 7. Klasse gegenüber einer 9. steht, was die Vorstellungskraft und Auffassungsgabe ausmachen. Während die einen gar nicht greifen können, was ein eingesperrtes Land bedeutet, versuchen die anderen mucksmäuschenstill aufzusa(u)gen und zu hören, was ich zu berichten hatte. Unter dem Motto: WIR WOLLEN NIEMALS VERGESSEN wird heute dennje darum gekämpft, Demokratie zu schützen und diese nicht gegen Diktatur irgendwann einmal wieder tauschen zu müssen. Denn genau das will Gesine Lötzsch von den LINKEN mit den Worten: „Wir wollen den Kommunismus, über den Weg des Sozialismus…“ Im fragwürdigen Rote Socken- und Genossen-Blatt „Junge Welt“, welches in der Zeit komplett stehengeblieben zu sein scheint, verherrlicht sie, mit welchen Diktatorischen Mitteln das umzusetzen wäre.

Das ist echt KRANK!

Außerdem ist die Freiheit

…der hier lebenden West-Bürger in ihren eigenen Köpfen immer noch nicht angekommen. Wenn die „Köchin“ Cornelia Poletto, schon vor Jahren durch ihre Agentur und Dritte ausrichten lässt, keine DDR-Flüchtlinge in ihrem Publikum haben zu wollen, stehe ich unter Schockstarre und sage; Das ist doch echter Medien-Rassismus. Ich werde da in den nächsten Wochen noch einmal genauer nachfragen, wie das gemeint war. Hoffnung, dass das ein Ausrutscher gewesen sein mag, ist noch da…