Opera House – 30 Jahre

50 Jahre Grünspan – 30 Jahre Opera House

Hamburg, 1989 – 2018.
50 Jahre Grünspan, 30 Jahre Opera House. Das Double-Jubiläum.
Erinnerungen an „Poppers“, Geschichten zu 2Step und Electro-House, der in irgendwelchen Garagen erfunden wurde und Kompliment an einen, der das ganze musikalische Zeug nach Hamburg brachte – das Opera House.

Alte Kumpels – Suzaan Talib und Opera House-Veranstalter Kemal Kurum.

Es war kurz hinter der Ostzone

´89, gerade frisch und spektakulär aus dem Kommunismus geflüchtet, völlig verdutzt vor einem meiner Kumpels stehend, der sich schneller der neuen Welt anpassen konnte, als ich es tat, weil die grob nachwirkend-sozialistische Schockstarre in mir weiterhin verharrte. Der fragte doch allen ernstes: „Mensch, ERI (das war mein Spitzname, eine Abkürzung des Nachnamens), wie siehst du denn aus…?“ Während mein Klamottenstyle eher einem türkischen Zuhälter-Look mit Fo-Ku-Hi-La-Schnitt glich, machten meine Freunde auf Levis-Jeans, 501 in Farben, wie Rot, gegeelte Kurz-Lack-Frisuren – eben auf richtig cool und so. „Wir gehen heute ins Opera House und nehmen dich mit…“, meinte der eine, der sich insgeheim, mehr oder weniger aus Mitleid dazu bereit erklärte, sich also zur Aufgabe machte, mir die Szene zeigen zu wollen. Verwirrt entgegnete ich, immer noch im DDR-Rock stehengeblieben: „Was ist denn das..?“

Spielte auch den Klassiker „DreamGirl“ – DJ und Remix-Künstler Jens Mahlstedt prüft die Platten…

Die Antwort gab es verdammt schnell

In einer zuvor bedeutungslosen Ecke, indem sich das Grünspan befand, machte Kemal Kurum sowas, wie das Studio 54 der House-Electro-Szene mit schrillen Vögeln, krasser, sich verdammt gut tanzender Mucke, die von DJ´s von „Welt“, wie Dr Motte und Westbam von Vinyl aufgelegt wurde.

Auf der Bühne: DJ und Remix-Künstler Jens Mahlstedt mit seinem Resident.

Das Comeback der Plattenteller

Der Sound war damals gigantisch und glasklar. ´Das hat doch die Erde noch nicht erlebt`, schoss es mir durch meine nüchterne Birne. So wurde auch ich infiziert, von dieser neuen Welle, auf der Models, Musiker und hippe Künstler mitritten. Hierher flogen sogar, gleich für ein langes WE, Leute aus London ein, um in Germany/Hamburg den Aufleg-Göttern ganz nah zu sein oder nach der im Königreich oder Westberlin erfundenen Stilrichtung einfach bis zum nächsten Tag abzuhotten.

Schmökerte in alten Zeiten – Jasmin war mit 17 Candy-Girl und verkaufte mit Bauch-Laden Condome und Süßigkeiten.

Heute ist das alles abgekühlter Kaffee und einige User äußerten sich sogleich etwas enttäuscht über den holprigen Start der Nacht. Denn einer von ihnen, der in den 80-gern so mehr oder weniger bekannt wurde, legte noch einmal auf: Jens Mahlstedt. Allerdings lief dabei nicht alles glatt.

So war und ist Opera House – Matrosen, Kapitäne, People – wie (fast) in alten Zeiten.

„Wir haben das nur mal so aus Spaß erneut organisiert, mal sehen, wie das wird…“, so Kemal Kurum, der sich heute immer noch modisch mit silberner Jacke gut hält.

Flashbacks an eine irre, verrückte Zeit

Und das schreit doch nach Erinnerungen an eine Zeit, in der Schnüffelstoffe, wie „Poppers“ aus kleinen Fläschchen genossen wurden, stundenlang leichte Erotik in der Luft lag und darum immer fürsorglich Verhütungen zu haben waren. Unter denen, die wirklich viel Spaß an dieser, erst einmal einmaligen Neuauflage hatten, fällt EINE in Lack und Leder auf, tanzt sexy-wild um uns herum, Jasmin: „Ich war mit 17 Jahren Candy-Girl. Mit Bauch-Laden bin ich durch das Haus gewandert und habe Süßigkeiten, Zigaretten und Kondome verkauft!“
Ebenso dabei war Suzaan Talib: „Hier war ich sehr oft in diesen alten Zeiten. Später machte ich selbst Partys, auf denen auch Nina Hagen und andere auftauchten…“

Natürlich wurde mit Vinyl aufgelegt, wie in alten Zeiten.

Zum „Kennenlernen“ war für (fast) jeden was da

Apropos Kondome: So, wie ´91. Da stolperte „Sunshine“ irgendwie in mich hinein, die plötzlich in der Location  nicht mehr von meiner Seite wich. Auf ihre blonden langen Haare fuhr ich total ab. Unverständlich war es, dass die ebenso auf mich und nicht diese oberkörperfreien Neu-Popper mit Glatze stand. Tatsächlich nahm die mich für einen One-Night-Stand mit zu sich nach Hause. Ein Gummi hatten wir nicht dabei. Aber Lachgas. Das war damals überall zu bekommen. Drogen waren nie mein Thema, auch heute nicht. Deshalb genoss ich diesen Morgen mit klarem Kopf…

Zurück zu 30 Jahre Opera House. Remix-Künstler Jens Mahlstedt´s Resident hatte die Anlage gut im Griff. Später gab es kurze Probleme mit einem Plattenteller, der wegen defekt ausgetauscht wurde, aber dann wummste es, wie in alten Zeiten. Diese jedoch wieder „aufleben“ zu lassen, ist in der Regel wie eine Beziehung, die einfach vorbei ist – Nichts sollte selbstverständlich sein und zu einer Gewohnheit werden. Wenn der Kick weg ist, lässt auch das Interesse nach. Trotzdem war es für viele Ü50-er eine schöne Zeitreise, zurück in die Neunziger, ins Opera House am Original-Schauplatz.
Und in dieser Nacht ging ich ganz allein´, zu Fuß nach Hause.
So haben sich auch diese Zeiten geändert…