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Blu-ray-Start: The Neon Demon-Kritik

Ich habe den Film in der PV in english und auf Blu-ray noch einmal in Deutsch geschaut. Es ist ein wirklich abstraktes Kino, was ich da zu sehen bekam. Und es ist berechtigt, sich darüber einmal Gedanken zu machen, was da passiert. Am liebsten würde ich Szene für Szene auseinanderpflücken, um dieses Werk zu analysieren. Aber ich beschränke mich lieber auf einen Teil meiner Gefühle.

Die Modeszene ist ein umstrittenes und gleichermaßen anziehendes Thema, auch für mich. Den Film „The Model“ habe ich drei Mal! hintereinander geschaut, um zu kapieren, was mir da eigentlich vermittelt werden soll. „The Neon Demon“ setzt für mich noch einen drauf, weil ich diese Bilder nicht richtig zu greifen vermochte. Klar, es geht um Schönheit, auf die andere neidisch sein können, weil sie selbst sie nicht haben und daraus entstehende Macht, die ausgeübt werden kann, um sie als ein Instrument eines Produktes einsetzen zu können. Gerade unter ihresgleichen jedoch, trifft das Model Jesse, welches zum ersten Mal in LA zum Modeln gebucht ist, auf einige Todsünden, wie zum Beispiel die Missgunst. Aber das in einer solch heftigen Art zu verfilmen, überraschte mich doch.

Nach „Drive“, der mit mehreren Preisen überhäuft worden ist, schenkte man „The Neon Demon“ in Cannes nicht die so größte Aufmerksamkeit. Einem italienischen Talkmaster, der den Moviemaker befragte, war das „ein eigentlicher Skandal“ wert. In diesem Interview sagte Nicolas Winding Refn sinngemäß, dass er „The Neon Demon“ aus der Sicht seiner Tochter gemacht habe, und zwar so, dass es ein Mix aus Horror, Sign Fiction und Melodram ist.

Szene aus: The Neon Demon.

Szene aus: The Neon Demon. Fotoshoot. 

Tatsächlich fühle ich mich auch an meinem TV wie in einer Art Trance versetzt, wenn ich den langsamen Dialogen der drei Hauptcharakteren folge. Die dazu unterlegten elektrischen Klänge des Komponisten Cliff Martinez geben ein insgesamt fiktives Bild wieder, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dieses magische Dreieck, indem Refn arbeiten lässt, ist im Stil der 80-er beleuchtet, weil damals alles so geglitzert habe, meinte er.

Zwei Welten, wie so oft, werden hier abgeleuchtet – die hart umkämpfte Modewelt aus Sicht der Modelle und die private, oft billig und eher schäbige Seite, die sich in einer Motel-Unterkunft widerspiegelt, in der Jesse (Elle Fanning) untergebracht ist. Hier bekommt sie in ihrem Nebenzimmer eine Vergewaltigung von Hank (Keanu Reeves) durchgeführt mit, aber auch nur, weil sie IHR Zimmer zuvor schnell von innen abschließen konnte. Parallelen werden auch hier zu „The Model“ sichtbar. Sie ruft ihre Kollegin Ruby (Jena Malone) an und bittet um Hilfe. Die lässt sie bei sich unterkommen und will sie jedoch sexuell begehren. Das wert Jesse ab und erzürnt Ruby damit…

Einer der Höhepunkte ist einfach die Vernaschung und sexuelle Ergötzung Ruby´s über Jesse. Jetzt, wo sich die Tote nicht mehr wehren kann, ist es der Anderen erlaubt, sich das zu nehmen, was vorher verboten war. Harte Bilder, die sehr der Wahrheit entsprechen und darum machte mir „The Neon Demon“ erneut ein wenig Angst…

Bemerkenswert sind auf dieser Blu-ray die Interviews, die man sich anschauen sollte, damit der Regisseur verstanden werden kann, warum er diese abstrakte Machart gewählt hat. Zum Beispiel wurde er von einem italienischem Talkmaster vor interessiertem Publikum lange zu The Neon Demon befragt. Seine Antworten dazu sind gleich mit den Reaktionen der Anwesenden zu beobachten. Es wird gelacht oder eben auch applaudiert.

The Neon Demon
jetzt erschienen auf DVD, Blu-ray, 4K kommt im November
115 Minuten
Horror-Thriller-Melodram über Todsünden
erschreckend und verstörend zugleich…
Blu-ray-Extras: interessante Interviews mit den Produzenten