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Blu-ray – Tipp: The Terrence Malick-Collection mit 4 Filmen

Zum Erscheinen des Filmes SONG TO SONG (02.11.2017) und der damit gleichzeitig etwas später releasten Terrence Malick-Collection (16.11.2017), habe ich mir alle vier BD´s in einer Nacht hintereinander angeschaut: THE TREE OF LIFE, TO THE WONDER, KNIGHT OF CUPS. Meine Gefühle und gleichzeitig Verwirrtheit habe ich hier, in meinem Bericht dazu, mit eigenen Worten und wenigen Zitaten dargelegt.

Zu SONG TO SONG:
Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Lichtgestalt der berüchtigten Musikszene von Austin, Texas. In der Hoffnung auf ihren großen Durchbruch lässt sich die ambitionierte Musikerin Faye (Rooney Mara) auf eine Affäre mit ihm ein, die ihr schnell zum Verhängnis wird, als sie den aufstrebenden Songwriter BV (Ryan Gosling) kennenlernt und sich in ihn verliebt. Abseits des Rampenlichts entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, deren Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen. In SONG TO SONG präsentiert Malick darüberhinaus auch legendäre Musiker wie Patti Smith, Iggy Pop, Lykke Li oder die Red Hot Chili Peppers in Gastauftritten. Damit bietet SONG TO SONG eine besondere musikalische Kinoerfahrung und spannt den Bogen zu einem authentischen Lebensgefühl unserer Zeit, in der die Suche nach Fame und der Erfüllung der eigenen Träume jeden Schritt bestimmt.

Meine „Zusammenfassung“ dazu.
Ich kannte nur THE TREE OF LIFE. Aber auffällig war es, dass alle Filme der Collection mit derselben, ja schon fast einer theatralisch-lähmenden Langatmigkeit einer besonderen Härte versetzt sind. Dazu begleitet eine teilweise ein- oder mehrsilbigen Hintergrundmusik, die oft in klassischen Elementen endet und mich in eine unbeschreiblich-künstliche Stimmung der Spannung versetzt, wie zum Beispiel in KNIGHT OF CUPS. Gleichzeitig verspüre ich jedoch Ratlosigkeit. Dabei meine ich nicht die des Philosophen Henry David Thoreau, der in dem Antrieb der Menschen in der Neuen Welt Amerikas eine große Heraus- oder Überforderung sieht. Eher den Protagonisten, der da träumend durch L.A. irrt, in Stripp-Bars kentert oder bei schlanken Models strandet, den Foto-Shoots beiwohnt und dabei immer auf der Suche bleibt. In TO THE WONDER geht’s um mit Blei verseuchtes Wasser, von dem Dorfbewohner unmittelbar betroffen sind. Die „Handlung“ ist aber nur Nebensache und wird ab und an höchstens minutenweise abgearbeitet.

Fast dokumentarisch und, ja, schon leicht bis mittelschwer betäubend oder sogar grausam belanglos zeigt der Regisseur mit vielen Bildern und eher (un)bedeutenden Unterhaltungen oder Fragen auf, was es mit einem anrichtet, wenn große Enttäuschungen oder unendliche Zuneigungen zu jemandem kommen, sie wieder gehen oder noch besser, wie man die herzhafteste aller Anerkennungen, die Liebe, überhaupt einmal erreichen kann…

Trauer, Ohnmacht, Aufarbeitung – „Seine Filme sind bestimmt von den Widersprüchen zwischen individuellem Verlangen und einem kosmischen Kräftemessen, sie sind voller Epiphanien des Augenblicks, flüchtigen Erfahrungen des Glücks und der Schönheit…“ ESSAY.

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Ryan Gosling in Song to Song. 

Ich würde fast schon sagen wollen, dass, wenn man sich einen Malick holt, man genau weiß, was man kriegt. Nämlich schnelle Schnitte und manchmal hektische, sowie unprofessionell erscheinende Schwenks und Kameraführungen, zum Teil malerisch illustrierte und innig geführte Selbstgespräche, die irgendwann in Verbindung mit Liebes-, Herz-, oder Schmerz-Dramen in Selbstzweifel hängenbleiben. Genau das Gegenteil zu Woody Allen, und doch haben sie etwas gemeinsam – hat man einen gesehen, hat man sie alle gesehen.

Dabei greift Malick auf coole und gute Namen, wie z. B. Ryan Gosling, Natalie Portman, Sarah Green, Brad Pitt, Ben Affleck oder Javier Bardem zurück. Christian Bale selbst sagte auf dem Red Carpet in Berlin, dass sich jeder dabei selbst und ohne Druck spielen könne, weil der Regisseur einer der entspanntesten sei. Und der 74-Jährige verlangt viel von seinen Schauspielern: auch trotz vorliegender Manuskripte und Drehbücher, verlässt sich Malick stets lieber auf seine Intuition und arbeitet improvisierend statt sich an genaue Vorgaben zu halten. Der Regisseur fordert totale Hingabe an den Film, an seine Geschichte und die Figuren sowie ihre Gedanken und Gefühl. Für das Kriegsepos DER SCHMALE GRAT, der 1998 auf die Kinoleinwand kam, bewarben sich Berühmtheiten wie Johnny Depp, Brad Pitt und Kevin Costner, die alle an einer Zusammenarbeit mit Malick interessiert waren.

„Träume sind schön, man kann in ihnen aber nicht leben“. Das ist wahr. Man kann sie jedoch träumen. Deshalb würde ich Malicks Filme in die Kategorie Dream-Drama stecken. Und wenn es diese (noch) nicht gibt, dann habe ich sie jetzt erfunden.

Mein Fazit.
Aufwachen? Eingeschlafen bin ich nicht. Eher lauschte ich den „Dialogen“ dann doch sehr genau. Aber eines ist auch für mich klar geworden, wenn ich diese Collection beschreiben oder beurteilen darf. Ich vermisse einfach gewisse Höhen und Tiefen einer Art Story-Auf- und Abbau. Vielleicht verzichtet Malick ja bewusst darauf, weil ich aus der Träumphase gar nicht mehr erwachen soll. Nur, lebe ich von meinen Emotionen, vernebele sie nicht mit Mitteln jeglicher Art. Und irgendwann ist diese nie endende Soap an ein und derselben Stil-Berauschung doch ab und an ein wenig ermüdend.

The Terrence Malick-Collection
Ab 02.11.2017 ist SONG TO SONG auf Blu-ray erhältlich
die Terrence Malick Collection kommt ab dem 16.11.2017 in den Handel
unbedingt holen, sehr sehenswert
Neben den 4 Filmen THE TREE OF LIFE, TO THE WONDER, KNIGHT OF CUPS und SONG TO SONG inklusive Bonusmaterial enthält die Collection ein umfangreiches Booklet mit Texten der Autoren und Filmjournalisten Dominik Kamalzadeh und Michael Pekler. (Autoren des Buches „Terrence Malick“, erschienen im Schüren Verlag, Marburg 2013).