Nähkurs2

Die Rückkehr der privaten Häkel- und Strickpartys

Wie in der Mode kommt auch hier, im privaten Bereich, alles zurück, was es schon einmal gab, denn das Stricken und Häkeln ist spätestens seit diesem Jahr wieder voll im Trend.
Selbermachen ist die neue Initiative, von der die werktätigen Hausfrauen überzeugt sind. Gegen den Trend, H & M und Co. zu stürmen, werden wieder lieber in Eigenart die Fäden gelegt.

Im Stile der damaligen Tupperpartys treffen sich nun Freunde und Bekannte einmal in der Woche zu einer mehr oder weniger Strick-Häkel-Stunde. Ich besuchte so ein Privat-Event meiner Nachbarin während der Christmaszeit, lud mich als einziger Mann selber ein und wollte dabei sein, wenn die Wolle mit einer oder zwei Nadeln zu einem Kleidungsstück verarbeitet wird.
Dabei beobachtete ich, wie das Ganze zu einem Kaffeeklatsch zelebriert wird. Der Tisch ist reich mit Tee, Wasser, Wein und Kuchen gedeckt. So strickt und schnattert es sich besser, kann Frau sich leicht und lockerer austauschen und erörtern, wie die Fäden am besten von der Hand zu gehen haben.

Freunde und Aktivitäten sind einfach in solchen Fällen immer das Beste, was einem passieren kann…

Meine Nachbarin

Dieser Vorgang erinnert mich stark an meine Kindheit. My Grandma produzierte eigenhändig und gerade zu Weihnachten meinen Schal und meine Mütze. Allerdings war die Qualität der Wolle eine Katastrophe. Zweite, ja sogar dritte Wahl war in der Ostzone an der Tagesordnung, bessere Ware war einfach nicht zu bekommen. Heutzutage sieht das alles ganz anders aus…

Frauentreff. Ich durfte als einziger Mann dabei sein und offizielles Mäuschen spielen...

Bei Tee und Kuchen: Frauentreff. Ich durfte als einziger Mann dabei sein und offizielles Mäuschen spielen…

Konzentration bitte! Die Maschen laufen...

…wenn gehäkelt wird. Konzentration bitte! Die Maschen laufen…

Von 16 – 60 ist jede Altersgruppe dabei. Die Idee zum privaten  Nähclub hatte Betty ganz spontan, die nach langer Zeit plötzlich und aktuell wieder Single ist. „Freunde und Aktivitäten sind einfach in solchen Fällen immer das Beste, was einem passieren kann. Darum organisiere ich jetzt wöchentlich diese Runde…“. Und die kommt an. Immer mehr Anmeldungen müssen verkraftet werden, weil es sich herumsprach, was in unserem Haus passiert. Aber irgendwann verträgt die größte Wohnung keine „neuen“ Mitglieder mehr: „Schließlich soll unser Treff ein gemütlicher und übersichtlicher Abend bleiben. Ich rate jedoch jede(r)m, sich selbst auszuprobieren…“

Das Stricken ist eine Art Kunst, die mehr und mehr zur Mode wurde. Sogar die Designerin Sibilla Pavenstedt lässt heute einen Teil ihrer Stücke von Hand fertigen. Während das Handwerk zum ersten Mal 1268 in Paris Erwähnung fand, sind gehäkelte Waren viel später, erst im 18. Jahrhundert bekannt geworden.
Und darum ist das, was hier passiert, für mich eine wirkliche und angenehme Überraschung, die ich weiter verfolgen werde.