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Echt berührend und ein Familien-Drama – YULI

Sie schaffte es gerade eben so, zum Red Carpet ihres Filmes YULI in die restlos ausverkaufte Passage, Icíar Bollaín, spanische Regisseurin, weil ihre Flüge ausgefallen und zu spät gegangen sind. Nach der Aufführung werden 15 Minuten lang Fragen gestellt, um zu erfahren, warum sie diese Produktion gemacht hat.

Cuba, ein Abschnitt von 30 Jahren wird durch eine Tänzer-Geschichte, hauptsächlich in Havanna abgeleuchtet. Yuli – Ein inspirierendes Biopic mit großartigen Tanzszenen über und mit Ballett-Star Carlos Acosta, der sich aus einem Armenviertel Havannas auf die Bühnen dieser Welt tanzte.

YULI träumt in Abriss-Locations vom Tanzen.

Cuba ist natürlich immer so ein Thema für sich. Carlos ist ein undiszipliniertes Kind, das alles, was es über das Leben weiß, auf den Straßen Havannas gelernt hat. Doch sein Vater erkennt das besondere Tanztalent seines Sohnes. Gegen seinen Willen schickt er ihn auf die staatliche Ballettschule und gibt ihm den Spitznamen Yuli. Yuli (Carlos Acosta) wird bald zu einem der besten Tänzer seiner Generation, feiert international Erfolge und ist der erste dunkelhäutige Romeo am Royal Opera House in London. Doch trotz des Ruhms hat er eines nie vergessen: Wo seine Wurzeln liegen.

Yuli-Regisseurin, Icíar Bollaín, bei der Deutschland-Premiere ihres Filmes in der Passage. 

Und das ist genau der Punkt. Diese Zerrissenheit, in der Yuli all die Jahre lebt, wird mit inneren und äußeren Konflikten eindeutig dargestellt und verarbeitet. Dazu kommt der Druck der Genossen, denn er muss mit dieser Ehre als Tänzer, Wettbewerbe zu gewinnen, draußen das Land Cuba präsentieren.
Als Kind wird er zum Tanzen gezwungen. Später, als er wegen einer Verletzung aus dem Krankenhaus direkt nach Havanna, zu seiner Familie fliegt, wird er direkt von seinen besten Freunden mit der allherschenden Armut des vom Kommunismus besessenen Fidel Castro („Sozialismus oder Tod“) konfrontiert. Fast alle wollen mit Booten flüchten, um in Miami ein besseres Leben zu versuchen…

„Der Stoff des Filmes kam zu mir, nicht ich habe danach gesucht.“, sagt Icíar Bollaín. Dabei versucht die Regisseurin keine Schuldigen an dieser Mittellos-Misere zu finden, die sie an den Pranger stellen könnte, sondern konzentriert sich auf den familieren Konflikt; die Mutter möchte, dass ihr Junge wieder nach Hause kommt, der Alte will genau das Gegenteil. Aber was will Yuli selbst…? Seine Last auf seinen Schultern versucht er zu händeln und steht trotzdem oft kurz vor dem Scheitern.

Es ist auch die Zeit der Neunziger, in der der Wegfall der Mauern und das Ende des Kommunismus dafür sorgten, dass Fidel Castro nicht rechtzeitig reagierte, zähneknirschend „die Ausländer“ in das Land lassen musste, um Devisen zu bekommen. Bis dahin war Wirtschaft komplett verboten. Das Volk hungert. Die Bilder im TV, von seinem verarmten Brüdern zu sehen, bringen Yuli in seinem Londoner Hotelzimmer zum weinen.

Später sorgten die (mittlerweile berühmten) Freiheitskämpfer, wie Yoani Sánchez, mit ihrem ersten und unzensierten Blog „Generación Y“ dafür, über den schwierigen Alltag Cubas/Havannas zu berichten, die so den Kampf gegen die Regierung aufnahm, zeigte, wo es wann haperte und was sich ändern muss, damit das Leben lebenswerter werden kann. Heute ist (indirekt) das Internet auf dem Inselstaat immer noch untersagt, für das Volk nicht nutzbar…

Bis zum bitteren Ende fließen bei einigen Zuschauern die Tränen. Die Frau rechts neben mir, in der ersten Reihe sitzend, fängt minutenlang an zu schluchzen. Meine Gefühle und das Wasser kann ich noch gut zurückhalten. Jedoch auch mich berührt diese Erzählung und Umsetzung mit den tollen Bildern sehr.
Ich selbst habe ja diesen „Müllhaufen“ oder „das Dreckloch“ Cuba, wie es selbst Yuli´s Freunde im Film benennen, erlebt, versucht zu hinterfragen und dieses eigene Verbots-System zu begreifen und bin daher über diese ehrliche Vorgehensweise der Familie überrascht. Das dürfte sicher eine große Ausnahme gewesen sein, denn normalerweise ist der „Castro-Clan“ nur daran interessiert, Touristen auszunehmen, die jetzt so nötig gebraucht werden, um das Land zu retten. Daher dürfte diese Geschichte ein Einzelfall sein und kann vielleicht heute noch einmal wiederholt werden. Und zwar nur, weil sich Cuba nun „der Welt öffnet, sich so auch die Welt Cuba öffnet“. So schlug es jedenfalls der Papst bei seinem letzten Besuch vor.

Yuli
ein wirklich sehenswerter Film, der durch viel Musik und Tanzszenen aufgewertet wird!