Fast-Fashion – Warum Mode plötzlich nachhaltig sein muss

Fast Fashion oder lieber Billig-Shit? Ist Mode der Gipfel des Klischees, unerschöpflich und surieller Wahnsinn oder sind es die Farben, die uns tanzen lassen? Geht Bling Bling wieder einmal durch die Decke oder macht diese Form der Polarisierung erst einmal ein paar Jahre Pause? Warum sehen Männer Klamottentrends anders, als Frauen? Und vorallem, WIE sehe ICH das mit dem wahren Leben der Stoff-Fetischisten und gebe mein Statement dazu!

Mode ist ein Milliardengeschäft, der Umsatz hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt! KIK, ALDI, LIDL, H&M – alle bieten mittlerweile Erschwingliches an. Sogar der Hartz IV-Empfänger kann sich wunderbar einkleiden, wenn er regelmäßig die Prospekte wälzt. Eines ist klar – nach dem Zusammenfall des Kommunismus, vor knapp 30 Jahren, wirken Bekleidungs-Trends erst recht rastlos, lassen sie Grenzen verschwimmen, holen die Schulterpolster aus den 80-ern vorgelebte Wiederauferstehungen wieder hervor und bringen DesignerInnen dazu, unendliche Ideen von Punk bis Prunk in anzugsfähige Dresses umzusetzen.

Die Definition von Geschmack

, wer es wie sieht und warum, beschreibt die Sache mit der Industrie der Träume, und zwar mit jedem einzelnen Satz. Denn Kleider machen Leute und aufgrund unseres äußeren Gewandes werden wir beurteilt. Nur, welcher Standpunkt um dieses Thema geht klar und beurteilt andererseits, wie die Umsetzung auf dem Catwalk auszusehen hat, gefällt uns was, oder war das ein Griff daneben?

Und was, wenn die Mode-Industrie

…schon lange zum Umdenken gezwungen wird, Anzieh-Sachen nicht in billigen Dritt-Ländern produzieren zu lassen, sondern teurer, irgendwo in Europa? Wo liegt jedoch der Unterschied, wenn IKEA Möbel von Häftlingen und Zwangsarbeitern in der Ost-Zone im verdammt niedrigen Lohnsektor produzieren lassen hat, um den Sozialismus zu unterstützen und sich SALAMANDER schon seit den Siebzigern bereit erklärte, in der DDR seine Schuhe fertigen zu lassen, um Kosten einzusparen und bei der Devisenbeschaffung zu helfen. Gruselig.

Im Film The Model wird gezeigt, wie es in der Mode-Industrie zugeht.

Im Film The Model

…, den ich mehrfach sah und für wertvoll empfinde, wird außerdem eindrucksvoll aufgezeigt, wie es in der Mode-Industrie in Wahrheit zugeht. Weil ein echtes Model die Hauptrolle spielt und zum anderem erzählt wird, wie die Agenturen und Fotografen mit ihnen umgehen, ist diese Story total glaubwürdig und interessant. Schönheit hat ihren Preis. Das stimmt wohl.
Selbst hochwertige Ware jedoch, wird im Niedriglohn-Sektor hergestellt. Im Bericht oben wird gezeigt, dass auch Hugo Boss den Mindestlohn in den Billig-Ländern zahlen soll, mehr nicht. Wenn man also edelere Marken kaufe, desto mehr gewinne das Label, NICHT der Näher oder Arbeiter. Außerdem, wer nachhaltige Modegeschäfte in den Innenstädten sucht, findet sie vergeblich.

Ramm+tein Parfum KOKAIN

Der Kapitalismus lebt

…von der Wirtschaft und muss immer dafür sorgen, dass die Maschinen laufen. Das ist der große Unterschied zum Kommunismus. Profit zu maximieren ist dabei eine Krankheit, die NICHT zu Lasten der Arbeiter gehen sollte. Dazu passt die Reportage des ZDF/WDR, die noch einmal aufzeigt, was schnelle Mode bedeutet, warum sie für die Umwelt gefährlich ist und wie mit Überfluss, wie es ihn noch nie geben hat, umzugehen ist. Käufer zum Umdenken zu bewegen ist dabei die Aufgabe. Nur, wer will auf Auswahl und Vielfalt verzichten? Ich nicht. Wie froh waren wir doch, als wir ´89, mit dem Niederriss der Mauern, die dummen Repressalien der Sozialisten hinter uns lassen konnten und selbständig entscheiden durften, was wir essen und anziehen!

Damals, in der Ost-Zone

, hatten wir einfach keine Wahl, nicht die Qual, teuer oder billig kaufen zu können. Die Auswahl gab es gar nicht. Es war verpönt, den aus dem volkseigenen Betrieb zu tragenden Pulli in der Woche zu wechseln. Man musste ihn anbehalten, weil man sonst den Verdacht wecken könnte, Kontakte in den Westen  zu haben. Ebenso die Hose, die nicht von LEVI´S, dem Klassenfeind sein durfte, auch, wenn sie so sehr geliebt war. War das Logo zu erkennen, wurden die Schüler nach Hause geschickt, damit sie sich eine DDR-Marke anzogen, wie zum Beispiel Wisent. Diese Stoffe waren nur nicht sehr begehrt, wie die Originale, weil sie nicht auswaschbar, zu hart oder weich waren. Um trotzdem eine Westmarke auf meinem Hintern tragen zu können, bestahl ich meine Oma aus der Reise-Kasse, und erleichterte sie um 50,-DM. So konnte ich den INTERSHOP besuchen, mithalten, um mir dann ein Status-Symbol geben zu können…
Aber das ist ein 30 Jahre Mauerfall-Thema, welches es gerne in einer anderen Sendung auszuschlachten gilt.

Außerdem gehört zur Mode

, dass man gut riecht und nicht wie ein Wiesel stinkt. Auf Cuba war es noch gar nicht so lange her, dass in den Bussen und Transportmitteln alles nach altem oder neuem Schweiß roch. Das muss nach dem Wegfall des Ost-Blockes, der damals leckere Wässerchen nicht unterstützte, nicht mehr sein. Denn ob günstig oder teuer – hier kann heute locker gegengesteuert werden, ohne irgendwelche Arbeiter-Regeln zu missachten. Es sollte, meiner Meinung nach, eher NICHT der Ramm+tein-Duft sein. Der ist nachhaltig ekelig. Zum Glück gibt es heute hunderte, bei Budni, Rossmann und Co., die zum Zugreifen in den Regalen bereitstehen…