FFHH´19 – Filme von Woody Allen, Pietro Marcello und Hüseyin Tabak

GELB bleibt DIE Modefarbe der Hamburger Cineasten! Das Filmfest Hamburg präsentierte sich mit aktuellem Programm in einer Pressekonferenz. Im Talk mit Albert Wiederspiel, der sich in den vergangenen Jahren für Iran-Werke stark machte, heute eher den Schwerpunkt auf Frankreich setzt, kontroverse Themen, wie Woody Allen-Streifen und neue Festivals in Saudi Arabien anspricht, außerdem interessanten Fahrplan vorstellt.

Ein Schwerpunkt: Frankreich

Die Berlinale ist, wie auch die Fashion-Week in Berlin, eher unbedeutend in der Welt unterwegs, tut aber so arrogant, als wären sie die Nummer Eins. China holt in den Festival-Produktionen dagegen sehr auf und hängt mittlerweile gleich hinter Frankreich. Albert Wiederspiel zum Schwerpunkt des Nachbarn: „Es ist das größte Filmland Europas und Cannes ist eine der größten Plattformen dafür. Daher kommt man an ihm nicht vorbei…“ Aber – die Festivals in der Welt haben es schwerer und mit wachsender Konkurrenz zu tun: „Mittlerweile gibt es 4000 davon, ca. 400 in Deutschland. Daher wollen wir enger zusammenarbeiten. Geld alleine macht noch keines aus. Dubai und Co. haben ihre Filmwochen eingestellt. In Saudi Arabien findet plötzlich ein Neues statt, auf dem der Gewinner 350 000,-€ bekommen soll…“, merkt der Direktor an. Wer will denn da auch hin…? Ich nicht.

Nach Pause: Italien wieder dabei

Insgesamt laufen 144 Filme aus 56 Ländern, wie z.B. der auch in Cannes gezeigte und hiesige Eröffnungsfilm, wie „Die schönste Zeit unseres Lebens“ (FR). Ebenso werden wir die Jack London-Verfilmung „Martin Eden“ (Italien) sehen können. Joker, der in Venedig den Goldenen Löwen gewann, wird nicht dabei sein. Nach langer Pause ist Italien mit drei Filmen zurück, UK mit fünf Produktionen ebenso.

Netflix-Filme bleiben

FFHH bringt Netflix-Filme, wie gehabt. „Wir wollen das Beste zeigen, denn wir machen ein Film- und kein Kinofest. Was Netflix hervorgebracht hat, ist, dass die Leute mehr im Original mit Untertitel schauen. Das ist ein Trend, der sehr positiv hervorzuheben ist und wir sehr begrüßen. Außerdem gab es eine Etat-Erhöhung von gut 20%, die in dieses Hilfsmittel investiert wurde. 87 sind es, in denen auf Deutsch die Fremdsprache nachgelesen werden kann…“ Das sei der bessere Weg, um so mehr Zuseher erreichen zu können, so der FFHH´19-Chef.

Film: „Bewegungen eines nahen Bergs“ von Sebastian Brameshuber zeigt die Entwicklung des Kapitalismus im 21. Jahrhundert. 

Kontroversen auf dem Filmfest?

Woody Allen ist von Missbrauchsvorwürfen entlastet worden. Trotzdem wird auch hier die Frage in den Raum geworfen, warum man denn von ihm einen Film zeigen wird, weil vermutlich immer was an negativem Touch kleben geblieben sein dürfte: „Er ist von zwei Gerichten freigesprochen worden und wer bin ich, um Richter zu spielen? Ich stehe nicht über dem Recht. Wir haben daher kein Problem, von ihm was zu zeigen. Die Frage stellt sich bei Roman Polanski ja ebenso“, der in Venedig abräumte und in Tarantino´s Once Upon a Time in Hollywood ein Thema war. „Wir zeigen zwar keinen von ihm, weil wir nichts bekommen haben, aber dieses Jahr gibt es dazu eine Diskussion-Veranstaltung, inwiefern man Werk vom Autor trennen soll, oder nicht…“, meint Albert Wiederspiel.

Neue Rubrik: Gegenwartskino im Fokus.
In der gibt es u. a. Independent-Kino: Der dritte Film von LAV DIAZ: „THE HALT„, zeigt ein Philippinen-Drama. In The Woman Who Left, der übrigens länger als drei Stunden geht und letztes Jahr über die Leinwand lief, wurde eine Geschichte über jemanden gezeigt, der mehr als 30 Jahre unschuldig im Knast saß. Durch diese extra Länge soll man sich am besten in die Rollen reinversetzen können.

Auf welche Filme wir uns freuen

Das Filmfest Hamburg versteht sich immer noch als Türöffner und Konzentration auf Regisseur-Nachwuchs. Es wird deshalb sieben Welt- oder Deutschland-Premieren, wie zum Beispiel der Cockpit-Thriller „7500„, der auch Hanseatischen Einfluss haben soll, geben. „Gipsy Queen„, der in Hamburg gedreht wurde, dürfte interessant werden und Der Kapitalismus im 21. Jahrhundert, der sich der Welt anpasst und sehr leicht mit dem Thema umgehen will, wie im Schwerpunkt von Sebastian Brameshuber, mit: „Bewegungen eines nahen Bergs„, sollte Zuschauer anlocken. Die ZDF-Produktion „Kranke Geschäfte„, die einen Film über die Stasi-DDR, die wegen Devisenbeschaffung, zum Zwecke des Überlebens des Sozialismus, mit Westkonzernen zusammenarbeiten muss und Medikamententests mit menschlichen Versuchskaninchen zulässt, dürfte eher schwerer Stoff und zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls der kompletten Ostzone eine lehrreiche Alternative sein.
In der Sektion Michel werden zwei Folgen der Pfefferkörner zu sehen sein (Abaton).

Viele kleine Elemente um das FFHH´19

Nina Hoss – Douglas Sirk-Preis wegen ihrer Haltung und künstlerischen Leistung.
A Wall is a Screen by Bike – am 2. und 3. 10. mit dem Rad Filmfest-Orte aufsuchen.
Wegen einer anstehenden Änderung wurde das Programm noch nicht freigegeben. Ab dem 18.09. sind die Tickets zu buchen oder zu kaufen.

Über Hundert Filme sollen den Weg danach trotzdem nicht ins Kino finden. Wer Glück hat, kann sie jedoch auf DVD oder Blu-ray bestellen, irgendwo, bei irgendwelchen Verleihern oder ARTE wird was zeigen…