Gero von Boehm zum FIlm Helmut Newton.

HELMUT NEWTON Doku – Im Talk mit Gero von Boehm

Perversion, Unterwerfung, Dominanz?
Heute, zu den voll verkorksten Me-Too-Zeiten, wäre SO eine Doku gar nicht erst möglich gewesen, geschweide denn, so einen Künstler bei seiner Arbeit zu porträtieren, erlaubt. Helmut Newton hat also noch Jahrzehnte das genießen können, was im jetzigen Zeitalter reihenweise und sofort zu mehreren Klagen von sich falsch behandelten und verstandenen Frauen geführt hätte – NUDE-Shootings! 

Gestern war die Hamburg-Premiere im ZEISE-Kino und der Regisseur selbst, Gero von Boehm, der diesen „professionellen Voyeur“ bei seinen Arbeiten mit den Kameras begleitete, so einen wunderschönen, besonders auch privaten Einblick nehmen konnte, unterhielt sich mit uns über sein Leben und den Film.

Bevor die Männerfeind-Debatte durchbrach, konnte ich noch ein Buch der ähnlichen Art fertigstellen, mit ca. 35 weiblichen Laien-Models, die sich teilweise in Berlin und Hamburg ebenso für meine Linse auszogen!: „Heute ist das gar nicht mehr möglich, aber das wird sich wieder ändern…“, meint Boehm klar dazu. Das stimmt, denn nach der neuen Gesetzeslage, macht das „unter den Rock zu fotografieren“ möglich, sogar in den Knast zu wandern. Deshalb machen solche Kunst-Projekte, wenn man sie denn planen möge, nur noch Sinn, in Ländern zu produzieren, in denen Künstler richtiger verstanden werden.

Gero von Boehm und Online-Redakteur Jörn Ehrenheim im Talk. 

TouchYou.de: Wie hätte Newton selbst deinen Film gefunden? 

Boehm: „Ich denke, er hätte ihn gemocht, weil alle Frauen, die mit ihm gearbeitet haben, sich ausnahmslos nur positiv über ihn geäußert haben. Heute liegt ja die ganze Modefotografie brach, weil sich keiner mehr so zeigen möchte…“

TY.: Wie habt ihr euch denn kennengelernt?
B.: „Besonders ist unsere Freundschaft in Berlin gewachsen, weil Helmut oft in die Hauptstadt gereist ist. Komischerweise haben wir hier immer englisch und in L.A. Deutsch gesprochen…“

TY.: Hat er alle vor die Kamera bekommen, die er wollte, oder haben einige abgesagt?
B: „Alle, die er wollte, waren sofort dabei… Wer sehr schwierig war, das war Grace Jones. Die hat, auch auf Jamaika, einfach Termine platzen lassen. Dann rief jemand an, dass sie zwei Tage in New York sei und da zu greifen wäre, aber auch hier tauchte sie nicht auf, weil ein Tennismatch, welches sie als Fan besuchte, ungeplant länger dauerte. Danach hatte sie keine Lust mehr und war wieder weg. Was er nicht darstellen wollte, waren Männer, die fand er langweilig. Aber auch hier gab es einige Ausnahmen.“

TY.: Warum haben ihn Männer denn nie interessiert?
B.: „Die haben ihn nur dann interessiert, wenn sie mächtig und dadurch stark waren. Einige Politiker und Sunny-Boys, wie Hugh Hefner hat er dann doch ausgewählt…“

TY: Newton lebte sogar auf Monte Carlo. Was hat er da erwartet?
B.: „Monte Carlo war furchtbar, mit seiner bizarren Gesellschaft. Er hasste Regen, liebte Geld und hasste wiederum Steuern. Wir sind beide voyeuristisch veranlagt, daher kamen wir im Casino auf unsere Kosten, beobachteten dort viele Leute, aber – wenn Millionen hier auf die Bühne fliegen würden, ich möchte da nicht wieder hin. Und wenn es auch hier mal schüttete, dann ging es eben ab nach L.A.“

TY.: Hatte sein Tod eine Geschichte?
B.: Ja, er hatte Herzprobleme. Als er sich eines Tages ins Auto setze und an den Strand wollte, bekam er einen Herzinfarkt. Das Bein verkrampfte und stand auf dem Gas, sein Wagen donnerte an die Mauer. Er ist übrigens in Berlin begraben, gleich zwei Meter neben Marlene Dietrich…“