Im Talk mit Lars Eidinger zur All My Loving-Premiere

RED CARPET.
ALL MY LOVING – der neue Film des Regisseurs Edward Berger (JACK, „Deutschland 83“, „Patrick Melrose“) – kommt am 23. Mai 2019 im Verleih von Port au Prince Pictures in die Kinos kommt. ICH habe mir den Streifen gegeben und sage, wie der ist. Gleichzeitig zum Talk getroffen: Lars Eidinger:

Die Hamburg Premiere

Modisch (k)ein kleines Highlight?:
Mit schwarzer, weit geschnittener Stoffhose, grünem „PRADA“-Sakko, dünnem Fast-Kragen-Pulli und vorteilhaften Schuhen: Gestern kam zur Hamburg-Premiere, die im Zeise-Kino 1 lief und komplett ausverkauft war, Lars Eidinger und seine Crew zum Red Carpet und spontanem Talk vorbei. Viele wissen ja auch, dass der in West-Berlin geborene „Platten“ auflegt. Aber: „Ich spiele allerdings schon lange nur noch digital meine Songs ab, weil mir die Leute die Scheiben geklaut haben. Sie wissen einfach nicht, dass ich an diesen Dingern sehr hänge…!“

Ansonsten plauderte der deutsche Star leider nicht über Mode, eher seinen Erfolg, den er gerade sehr genießt und seine Top Five, was seine persönliche Filmauswahl betrifft und ist locker, so locker, dass ich total begeistert bin von diesem ehrlichen Typen:

Drei Geschwister,die einzeln abgeleuchtet werden: Lars Eidinger zu seiner FilmPremiere in Hamburg/Zeise-Kinos von All My Loving.

Im Talk mit Lars Eidinger

TouchYou.de: Wäre eine ausführlichere Pilotengeschichte eine Option gewesen?
Lars Eidinger: „Ich habe kein Fabel und keinen Bezug für Maschinen. Da fehlt mir das entscheidende Gen zu. Es gibt ja so Männer, denen einer abgeht, wenn sie sich an ein Auto stellen… Aber ich fliege sehr gerne, als Passagier. Ich war jetzt letzte Woche für eine Nacht in NY. Also, das war schon pervers…“

TY.: Im Film gehts ja auch darum, das Leben weiterzuleben oder was zu ändern. Waren Sie auch schonmal an dem Punkt?
L.E.: „Naja, es gibt derzeit ´ne Phase, in der ich mein Leben sehr gut genießen kann. Ich habe auch schonmal zukunfts- und rückwärtsgewandt gedacht… Es ist immer ein Ideal anzukommen, für den Moment, obwohl es ein Widerspruch ist, weil das Leben immer in Bewegung ist. Außerdem gelingt es mir, auch noch Spaß am Beruf und an meinem Erfolg zu haben, der sich gerade eingestellt hat. Anzukommen und zu genießen, ja, darüber bin ich ganz froh…“

TY.: Was meinen Sie genau mit „rückwärtsgewandt„, wird man irgendwann gelassener?
L.E.: „Naja gut, vielleicht sagt es sich an meiner Stelle auch leicht, weil sich gerade der Erfolg einstellt. Zuvor habe ich ja lange immer darauf gehofft. Jetzt habe ich die Möglichkeit als Schauspieler nicht nur zu arbeiten, Filme zu machen, sondern ich glaube, ich habe mir die Freiheit erspielt, weil ich mich in unterschiedlichen Zusammenhängen ausprobiert habe. Früher gab es generelle Ausschlüsse, wie, entweder Kino oder nur TV. Heute wundern sich die Leute nicht mehr, wenn ich mal da oder da auftauche oder sogar plötzlich als DJ Platten auflege. Derzeit verdiene ich damit mehr Geld als im Theater. Jetzt gibts bestimmt viele Neider, die da sagen; ´oh, jetzt muss der auch noch sowas…` Aber ich mach das, seit ich 16 bin. Ich spiele allerdings nur noch digital meine Songs ab, weil mir die Leute die Scheiben geklaut haben. Sie wissen einfach nicht, dass ich an diesen Dingern sehr hänge…!“

Instagram. Im Talk mit Lars Eidinger auf dem Red Carpet von All My Loving.

TY.: Die Top Fünf Ihrer Lieblingsfilme?
L.E.: „Ich bin kein Cineast und schaue keine Filme, um mich zu inspirieren, wenn ich ehrlich bin. Aber das bekomme ich hin:
Der erste Film, der mir immer einfällt, ist Le Mépris (deutscher Titel: Die Verachtung) von Godard. Den habe ich ziemlich spät für mich entdeckt und finde mich in diesem wieder. Der trifft voll meinen Nerv. Als Teenager hätte ich dieses Ding gar nicht verstanden. Der Zweite ist der Antichrist von Lars von Trier, weil das ein lebendes Genie ist. Es ist so fern, von der Art, wie ich denke. Verblüffend, wie er es daher schafft, mich mit dem Irrationalem zu konfrontieren, mit einer Welt, die ich nur aus meinen Träumen kenne. Mich überrascht, woher ER die her nimmt. Das, was diese Bilder erzählen, ist unglaublich stark… Nummer Drei ist Das letzte Einhorn. Den habe ich grade mit meiner Tochter geschaut und gemerkt, wie scheiße der eigentlich ist. Aber damals, da war dieser Moment, als der Zauberer das Einhorn in eine Frau verwandelte, einer, der mich sehr beschäftigte. Ich erinnere genau, wie der so schutzlos da lag und dieses Unrecht ein irrer Moment war. Nummer Vier: Alle Anderen. Das ist immer noch der beste Film, den ich gemacht habe, weil ich da entdeckt wurde… und Nummer Fünf, den kennen gar nicht so viele: Strange Story von David Lynch. Ein entschleunigter Film, gleich nach Lost Highway. Ich habe anderthalb Stunden einfach durchgängig geweint, weil ich in dem Gesicht des Schauspielers viel erkannt habe…“

Uraufgeführt in Berlin

Die Port au Prince Film & Kultur und Pandora Film Produktion wurde bei den 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Sektion Panorama uraufgeführt und amüsierte das Berlinale-Publikum mit seiner subtilen Eleganz und leisem Humor.

All My Loving – Lars Eidinger in Hamburg zum Talk dabei.

Nach dem hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Familiendrama JACK (Wettbewerb der Berlinale 2014, Deutscher Filmpreis in Silber 2015) hat der Regisseur und Autor Edward Berger das bewährte Team von JACK wieder zusammengeführt: Ko-Autorin Nele Mueller-Stöfen, mit der er das Drehbuch verfasst hat, und Kameramann Jens Harant. Für die Hauptrollen konnte Berger, der u.a. mit der Serie „Patrick Melrose“ für den Prime Time EMMY Award nominiert war, Lars Eidinger (WAS BLEIBT, FAMILIENFEST, MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM), Nele Mueller-Stöfen (FAMILIENFEST, JACK), Hans Löw (IN MY ROOM, ALLES IST GUT, TONI ERDMANN, Charité – Staffel 2) und Godehard Giese (TRANSIT, „Babylon Berlin“) gewinnen. Die Eltern sind mit Christine Schorn und Manfred Zapatka ebenfalls prominent besetzt. Mit starken Charakteren und einem feinen Gespür für die menschlichen Untiefen, differenziert und mit leisen Tönen erzählt Edward Berger in ALL MY LOVING von den Verirrungen und Verletzungen, die die drei Geschwister daran hindern, wirklich glücklich zu sein.

Stefan darf nicht mehr fliegen und tröstet sich an der Bar…

Zum Inhalt:

Stefan (Lars Eidinger) ist Pilot, hat eine große Wohnung, ein schnelles Auto und viele Geliebte. Als er sein Gehör verliert und nicht mehr arbeiten kann, klammert er sich an sein altes Leben: Also zieht sich Stefan die Pilotenuniform an und reißt in Hotelbars Frauen auf. Julia (Nele
Mueller-Stöfen) und ihr Mann Christian (Godehard Giese) verbringen ein langes Wochenende in Turin. Als das Paar einen verletzten Straßenhund findet, kümmert sich Julia nur noch um seine Genesung. Bei einem Abendessen  mit Freunden kommt es zum Eklat. Tobias (Hans Löw) schmeißt den Haushalt und versorgt die drei Kinder, während Maren für den Unterhalt der Familie sorgt.

Stefan mit seiner Tochter, die pubertiert…

Das wurmt ihn, so dass die Kinder immer wieder als Ausrede für sein stagnierendes Studium herhalten. Dann erkrankt der Vater, und Tobias stellt fest, dass das Leben für seine Eltern so nicht weitergehen kann.

ALL MY LOVING ist eine Port au Prince Film & Kultur Produktion (Jan Krüger, Jörg Trentmann) und wurde von der Pandora Film Produktion GmbH (Raimond Goebel) und dem WDR (Redaktion: Barbara Buhl) koproduziert.
Gefördert wurde die Kinoproduktion von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt und dem Deutschen Filmförderfonds.