Tel Aviv4

„Enjoy“ inside Tel Aviv – irre, trendi, cool! Teil II

Essen, Trinken in dem coolsten Szene-Viertel von Tel Aviv, stöbern auf dem Carmel Markt oder Leben in der Florentine, einem der angesagtesten Stadtteile – Israel ist so vielfältig. Unvorstellbar szenig, trendig und gefühlt in einem Rhythmus bewegend, der sich selbst widerspricht.
Teil II.
Ist Essen gehen in Tel Aviv teuer? Welche Bar ist hip? Wo kriege ich den besten Falafel? Gibt es Geheimtipps?
Hier kommen heiße Gastro-Tipps. Aber zuerst das:

Was ist im Clara Club, der gleich neben dem Israel Surf Club am Stadtstrand liegt, passiert?
Das entzieht sich meiner Kenntnis. Einige berichteten, da „war doch n Anschlag, vor 15 Jahren“! Das kann jedoch nicht sein. Denn noch im November 2016 postete eine DJane auf Facebook das Programm des Ladens. Außerdem bewirbt die Webside immer noch, dass man hier einen Tisch buchen kann. Eine Hälfte des Clubs ist Freiluft und die andere ist eine völlig in sich geschlossene, zweistöckige Disco, in der es fürchterlich gebrannt haben musste. Ich war neugierig. Um zu wissen, was da los ist, stieg ich über die Mauern, während sich meine Nachbarin draußen an der Sonne erfreute und einem Gitarrenspieler zuhörte.
Völlig verwaist und mit Eisengittern (fast) unzugänglich gemacht, liegt der ehemalige Treffpunkt für die Reichen und Schönen da. Wer hier reinwollte, musste zu Öffnungszeiten ordentlich Eintritt berappen. Innen angekommen, roch es nach altem und vergammeltem Holz. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, so fesselnd war der Anblick. Ich fragte mich, was ist hier mit dem angeblichen „richest club of the city“ passiert? Auf der maroden Treppe zog es mich in den ersten Stock, um auch dort zu schauen. Ein ähnlicher Anblick bot sich hier. Alles kaputt und kaum begehbar. Diese irre Atmosphäre eignete sich doch für grandiose Fotoshoots, dachte ich noch. Aber so schnell war dann doch kein Laienmodel zu finden, mit der ich hätte fantastische Kontraste produzieren können.
Einen Tag später musste ich dann doch nochmal rein. Nun schaute ich genauer auf die Wände, auf denen irgendwelche Graffiti-Sprayer schmierten. Überraschung – da gerade die freien Tage des Sabbat vorbei waren, rannte mir auf dem Arial ein kleffender Hund entgegen, was zu bedeuten hatte, das auf der Rückseite des Gebäudes die Waves Surf School geöffnet war…

Was ist mit dem Clara-Club passiert?

Was ist mit dem Clara-Club passiert? Diese Frage konnte keiner beantworten. 

Gastro-(Geheim-)Tipps.
Enjoy“ Tel Aviv! Diesen Leitspruch hören wir von (fast) jedem Kellner oder Bewohner, den wir nach den besten Gerichten oder einfach nur nach dem Weg fragten. Diese positive Lebenseinstellung gefällt mir und ist genau nach meinem Geschmack! Aber ist Essen gehen in Tel Aviv wirklich teuer? In der Regel hält sich der Preis bei um die 10-,€, wenn die von verschieden kulinarischen Einflüssen geprägten „Tempel“ „auf“gesucht werden. Das ist für dieses Gebiet und Europäer nicht unbezahlbar. Vorallem deshalb nicht, weil es IMMER eine oder mehrere, mal in leeren Wiskey- oder trendigen 2 Liter-Glas-Flaschen abgefülltes Trinkwasser for free dazu gibt. Wer es billiger haben möchte, kann sich an einen Falafel-Stand stellen und zahlt für sein gefülltes Brot ca. 4,-€. Auf unserer Suche haben wir einen entdeckt, nämlich Falafel GABAY, wessen Crew nur so mit einer coolen Show auf sich aufmerksam machte, dass es nur so krachte. Schlangestehen incl, so beliebt sind sie! „Hier bekommt ihr die beste Quali…!“, sagt mir eine Einheimische auf english. Ebenso „teuer“ ist eine Kugel Eis, die es in den leckeren Dielen gibt. Wir konnten uns kaum entscheiden, welcher Milch-Sahne-Produzent der Beste sein sollte. Im Viertel Florentine jedoch, sind die Liebhaber besonders auf ihre Kosten gekommen.

Das Romano in der Nähe der Florentine. Hier wird aus dem tagsüber florierendem Einkaufszentrum ein Szenetreff in der Nacht!

Das Romano in der Nähe der Florentine. Hier wird aus dem tagsüber florierendem Einkaufszentrum ein Szenetreff in der Nacht! Meistens nur am WE.

Achtung: Freitag, gegen 15:00 Uhr beginnt Sabbat. Dann fahren die Busse erst wieder ab Samstag, 18:00 Uhr. In der Zeit haben (fast) alle Geschäfte zu. Eine wenige Restaurants in Old Jaffa haben trotzdem geöffnet und man kann z. B. im „the old man and the see“ zu Abend essen. Aber Vorsicht, das ist Touri-Programm und kein Candle-Light-Dinner! Einer unserer Kumpels sagte dazu: „Hier geht´s um aggressive Nahrungsaufnahme und um nichts mehr!“ Besser könnte man es nicht auf den Punkt bringen. Denn sobald man die Plätze eingenommen hat, ist schon der erste „Kellner“ da und fragt furchtbar erregt, ob alle eine Suppe vorweg nehmen wollen würden. Zur selben Zeit donnert und klatscht ein anderer Servierer einzeln kleine, mit verschiedenen Köstlichkeiten und Brot gefüllten Schälchen vom Tablett auf den Tisch und nimmt dabei die Bestellungen entgegen. Ein irrer Stressfaktor kommt dabei auf, wenn man versucht, sich damit schon satt zu essen. Denn das Hauptgericht kommt ja auch noch…

Im "Der alte Mann und das Meer" sollte man nicht zum Candlelight-Dinner einkehren.

Im „Der alte Mann und das Meer“ sollte man nicht zum Candlelight-Dinner einkehren.

Es geht aber auch wesentlich stilvoller und mit szenigerem Publikum! Nämlich an der alten Synagoge, in der Nähe des Rothschild-Boulevard. Hier sahen wir wirklich einen der In-Plätze der Stadt, an dem sich gleich mehrere Bars aneinanderreihen. Es trifft sich die High Society. Als wir in dem Restaurant Santa Katarina für ungefähr 50 Schekel (ca. 12,-€) unser Abendbrot einnahmen, kam doch wirklich der Chefkoch aus der Küche und begrüßte mich, als wenn wir uns schon Jahre kennen würden. Er hörte von einer Platzanweiserin, dass Deutsche hier zum Essen eingekehrt sind… Ein paar Tage später war ich noch einmal vor Ort und machte ein kleines Interview mit dem Meister. Unterdessen stehen die Leute Schlange und warten darauf, dass ein Tisch frei wird. Das angenehme Treiben geht ab 20:00 Uhr los. Wer nicht reserviert hat, muss um 21:00 Uhr den Tisch wieder verlassen. Für uns gab es ab jetzt eine Sonderregelung – wir durften bleiben, solange wir wollten!

Schlangestehen bei Falafel GABAY! Wer hierher kommt, bekommt die "beste Quali..."!

Schlangestehen bei Falafel GABAY! Wer hierher kommt, bekommt die „beste Quali…“!

Gleich um die Ecke kehrten wir in das Port SA´ID ein. Hier werden alle sehr aufmerksam, wenn ein Ausländer mit einer Kamera handtiert und die Szene so durch seine Linse beobachtet. Der DJ legt sich ins Zeug und beißt sogar für mich in die Schallplatte! Wer glaubt, dass der mixen kann, hat sich getäuscht, denn es ist NUR! ein Plattenteller zum Auflegen vorhanden! Danach geht´s dann ins Romano, einem wirklich heißen Insider-Tipp, weil sich hier Hauptsächlich die Szene von Tel Aviv einfindet. Und das Ganze in der Nähe der Florentine! Tagsüber funktioniert der Hinterhof wie ein umschachteltes Einkaufszentrum, mit einem Laden neben dem anderen. Hier geht´s zu, wie auf einem Basar. Wird es Abend, wird das halbe Dach zugefahren und Stühle und Tische aufgestellt. Plötzlich verwandelt sich alles in ein großes Freiluft-Restaurant. Denn hier soll es die beste Pizza geben, die in Begleitung eines Electro-DJ´s, der teilweise auch chillige Mucke auflegt, verputzt werden kann. Eine Etage höher „begnügt“ sich der Insider mit mehr oder weniger einheimischen Gerichten, wie Blumenkohl im Ofen gegart oder sowas. Das ist mehr als lecker, wirklich!
Man gibt ca. 10 % Trinkgeld an das Personal ab, wenn die Rechnung beglichen wird, weil die Mitarbeiter kein Gehalt verdienen…

Florentine und mehr. In Teil III kümmere ich mich um die Stadtteile und Graffitikünstler, die sich in diesen austoben…