KINKY BOOTS

Kinky Boots in Hamburg – Lustig, schrill und modisch

Wenn Männer (wieder) Frauenkleider tragen und das Produktions-Rollband zum Catwalk wird, dann kann es sein, dass KINKY BOOTS im Operettenhaus läuft. Musik, Tanz und Mode – gleich drei (meiner) Rubriken werden durch dieses neue Hamburger Highlight bedient, welches zuvor auf dem Broadway erfolgreich lief.

Im Vorfeld gab es in Hamburg viele Verlosungsaktionen, wie zum Beispiel in der Europa-Passage, um Tickets an die Liebhaber zu bringen. Für die Medienpremiere, auf der ich das Musical einmal vorab auscheckte, hat das wohl nicht ausgereicht. Es waren noch ein paar Plätze frei, die hätten vergeben werden können. Das empfand ich als sehr schade und ich kann mich kaum daran erinnern, es jemals so bei einem anderen Start eines Bühnen-Stückes, zum Beispiel Udo Lindenberg oder Rocky, gesehen zu haben.

Jedenfalls, verdient hat es KINKY BOOTS ein komplett volles Haus zu bekommen. Während Dirty Dancing und Titanic ja relativ schnell absoffen und in der Bedeutungslosigkeit versanken, haben wir es hier mit einer, im wahrsten Sinne des Wortes, mitreißend-musikalischen Geschichte zu tun, welche den Namen „Musical“ wegen der fröhlichen Umsetzung tatsächlich verdient hat. Das sah auch das begeisterte Publikum so, welches während der passend gesetzten Applause-Wellen laut schrie und jubelte. Es hat gelacht, wenn die leichten Dialoge fielen und ein wenig geweint, wenn leiser Selbstzweifel versprüht wurde. Dabei wird viel gesungen und getanzt, so, wie es sich gehört.

Ein echtes Tanz-Musical - Kinky Boots...

Ein echtes Tanz-Musical – Kinky Boots…

Ein Haufen an Tragik und Witz zieht sich durch den Stoff, der die Geschichte eines Schuhfabrikbesitzers von Price & Son erzählt, der mit einem (nicht) gefragten, noch nie dagewesenem Produkt, den KINKY BOOTS, seinen Durchbruch in der Treterbranche schaffen möchte, ja, sogar muss. Am Rande der Pleite setzt er alles auf eine Karte um die Modemesse, die er einerseits mit professionellen Models plant und durchführen möchte, die ihm andererseits jedoch viel Geld kosten würden, welches er nicht hat, auf die Beine zu stellen. Andere Wege und Lösungen werden von ihm nicht akzeptiert, was zu schlechten Stimmungen und Konflikten in der Belegschaft sorgt…

KINKY BOOTS zeigt einen interessanter Aspekt einer Engstirnigkeit auf, die sich sogar in der heutigen Zeit wiederfindet. Mitarbeiter werden viel zu selten an Erfolgen beteiligt, also nicht genug motivert.

Aber die Schuhe kamen auch in der Jetzt-Zeit an. Auf der After-Show-Party konnten alle mit der Größe 38 einmal in diesen Lederschlauch hineinschlüpfen und zeigen, wie gut sie darin laufen können. Trepp auf und ab – das war gar nicht so einfach. Cyndi Lauper wird sicherlich noch weitere Größen und Modelle im Koffer haben, wenn sie zur Promi-Premiere nach Hamburg kommt: „Das Publikum kann sich auf ein hinreißendes Musical freuen. In einem unserer Songs heißt es ‚Just be who you wanna be‘. Ich finde, das ist das perfekte Motto für einen tollen Abend auf der Reeperbahn. KINKY BOOTS und Hamburg, das passt einfach zusammen!“ Ja, weil es Olivia Jones und Crazy Jeans gibt…

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Mein Fazit.
Eine gut umgesetzte Geschichte, die alles für einen Musical-Abend hat: Schönes Bühnenbild, tolle Tanzeinlagen und traumhaft passende Dialoge und Reime – auch oder gerade in Deutsch!