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Kino-Tipp: Sex, Korruption, Drogen – Inside Teheran

Ein leichter und unbeschwerter Ritt über die menschlich-religiösen Abgründe Irans – Teheran Tabu.

Ich habe einen echt heißen Kino-Tipp für Euch.
Verbote, Kopftuchpflicht und ständig die bestehende Angst, dass der Reisepass abgenommen werden könnte – Iraner leben in einer totalen Abhängigkeit ihrer eigenen Doppelmoral. Die wirtschaftliche Situation ist so desaströs, dass der Rial aus der Rezension gar nicht mehr herauskommen mag.

Darum habe ich mit größtem Interesse den Debüt-Film von Ali Soozandeh Teheran Tabu verfolgt. Staunend habe ich durch seinen Blickwinkel gesehen, was zwar alle wussten, jedoch aus Scham-Gründen keiner getraut hatte, zu sagen. 

Aber hier werden sogar schonungslos die Bilder und das Spiegelbild einer kranken Gesellschaft aufgezeigt, die nicht wissen will, wie der Mensch wirklich ist!

Jeder war in seinen eigenen Abhängigkeiten gefangen. Ob der Richter zu seiner Frau, die alleinerziehende Mutter eines behinderten Kindes zu ihrem drogenabhängigem Mann, der keine Alimente zahlt oder das junge Pärchen, das Hand in Hand über die Straße geht, und, als wäre es noch nicht genug, der Musiker, der unbedingt Geld ergaunern muss, weil er, während einer flüchtigen Club-Affäre, eine Frau auf der Toilette mit ein paar Pillen erst gefügig gemacht und dann „entjungfert“ hat, dadurch voll erpressbar wird.
Letztere Geschichte ist jedoch eine Lüge, weil sie, die vermeintlich Betrogene, nicht in einer Woche heiraten wird, sondern schon einen Vertrag mit einer Erotik-Agentur unterzeichnet hatte, die unbefleckte Frauen vermarkten/vermitteln will und deshalb das Jungfernhäutchen wieder hergestellt werden muss, nur gegen skrupellose Ärzte-Honorare…

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Unglaublich, oder? Strenge Gesetze aus Not umgehen. Menschliche Bedürfnisse werden trotzdem gegen alle Widrigkeiten gestillt. Auch dafür ist der Film ein Beweis. Genau das und noch vieles mehr zeigt Soozandeh, der jetzt im Exil in Köln leben muss, schonungslos auf. Dabei verpackt er die Storys in eine von echten Schauspielern überzeichnete, also animierte Welt, dass man glauben mag, alles sei nur Trick. Und genau das ist es nicht. Denn so sieht die Welt heute wirklich im Iran aus.

Die Darstellerin Zar Amir Ebrahimi (Sara), die nach einem falschen Sex-Skandal-Vorwurf mit einem erkauften Pass nach Europa flüchtete, weil sie zuvor von der Regierung diskreditiert wurde, ist durch die Ereignisse sehr arrangiert. Nach ihren Erfahrungen im Iran sagt sie in einem Interview mit einer britischen Tageszeitung: „Ich weiß genau wie stark iranische Frauen sind und werde kämpfen für den Respekt gegenüber Mädchen und Frauen meines Landes!“
Eine Hauptmotivation für ihre Rolle in TEHERAN TABU.

Daher wundert es nicht, dass dieser Streifen in gewissen Bevölkerungsgruppen für einen heftigen Aufschrei gesorgt haben soll. Darum gab es andererseits schon viele Erwähnungen bei Film-Festivals.

ICH möchte dort nicht leben, ganz ehrlich.

Teheran Tabu
Ab 16. November 2017 im Kino.