Tatsiana Toumel

„Natural Born Punk“ – im Kunst-Talk mit Tatsiana Toumel

Tatsiana Toumel hat sich schon einen kleinen Namen in der Kunstszene gemacht. Ich besuchte die Wahl-Hamburgerin in ihrem Wohn-Atelier, auf der „Hamburg zeigt Kunst“-Messe und zuvor auf ihrer persönlichen Ausstellung in der Galerie Schichtwechsel, Anfang 2017. Aufgrund der auffälligen Werke und ihrer charismatischen Erscheinung wurde mein Interesse geweckt, mehr über sie zu erfahren.

Sie fertigt komplexe Geschichten per Hand, darum ist (nicht nur) eines ihrer Kunstwerke besonders wertvoll, einzigartig und Weltklasse zugleich. Der Betrachter vertieft sich in diese, versucht zu verstehen, was da passiert sein mag. Denn die Gemälde sind kraftvoll und bunt. Sie verlangen von einem eine besondere Konzentration und Zeit zu erkennen, welche Welten sich dahinter verstecken. Man muss weggehen und wieder hinkommen, es erneut betrachten, dann erkennt man die Plastizität, die eigene und bewegende Dynamik. Ein italienischer, berühmter Künstler, der Tatsiana´s Atelier besuchte, sagte: „Jeh länger ich mir diese Sachen anschaue, umso neidischer werde ich…“

Illustre Gäste besuchen die Vernissagen von Tatsiana Toumel.

Illustre Gäste besuchen die Vernissagen von Tatsiana Toumel…

Einige deiner Malereien sehen wie gedruckt aus. Welche Techniken wendest Du an?

„Ich habe KEINE, alles passiert aus dem Bauch heraus. Als Bauingenieur erlernte ich ein Handwerk, welches ich technisch einarbeiten kann. Mathematik und Geschichte waren meine Lieblingsfächer. Mit winzig kleinen Elementen haben meine Eltern mich als Kind schon dazu motiviert, alles zusammenzubringen, was eigentlich NICHT zusammengehört. Und so tue ich es; mit Farben, mit Elementen und mehr. Alles erscheint am Ende homogen. ´Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann`, das sagte schon Francis Picabia. Das ist so und passt in meine Lebensphilosophie. Ich bin ein Natural Born Punk. Deshalb trage ich keine Ketten oder muss grüne Haare haben. Ich mache das, was ich will und tue, was mir gerade in den Sinn kommt!

Außerdem bin ich Yogameisterin. Wenn ich Bilder male, meditiere ich, tauche ein und brauche mich nicht anstrengen, meine Hand gehen zu lassen. Ich atme ein und aus, die Bewegungen fließen, wache jedoch nachts auf und male über, was ich den Vortag getan habe. Denn Zerstörung betrachte ich als eine Basis der Entstehung von etwas Neuem…“

Woher kommen Inspirationen?

„Diese Gene sind durch meine Künstlerfamilie vererbt. Ich gehe über die Straße und sehe Streetart. Leute erzählen mir was oder ich reise und erkenne eine bestimmte Akustik in einem Theaterstück/Konzert. Und schon habe ich genug Stoff, es auf Holz, Acryl oder auf Papier zu bringen. Andere Leute schreiben Tagebücher, ich lasse meine Gedanken auf Lainen oder anderen Medien. Das ist meine Art an Schrift.
Was Meditation und Kunst angehen, inspiriert mich unter anderem David Lynch: ´Ideen sind wie Fische. Wenn du kleine fangen willst, kannst du im flachen Wasser bleiben. Willst du große fangen, musst du in die Tiefe gehen! Alles, alles, was ist, kommt von dieser Ebene. Jeh mehr sich das Bewusstsein – Wahrnehmung erweitert, desto tiefer dringst du in die Quelle vor…` Besser kann man es nicht formulieren.“

Dein Stil?

„Eine Freundin nennt es „Nanograffiti“. Dieser unterbewusste und eigenwillige Mix, der sich immer wieder umentwickelt, fließt immer weiter. Meine Handschrift bleibt. Ich denke dabei nicht.“