Graffiti Hamburg

Straßen-Tattoos – Stadtteil-Kunst und Graffiti für alle

Sternschanze, Hamburg.
Straßen-Tattoos im Comic- oder GTA-Stil, verzerrte Buchstaben oder einfach nur irgendwelche Kritzeleien, wo das Auge hinreicht. Die Schanze ist voll davon, wirkt schon wie Klein-Tel-Aviv. Haben sich die Hanseaten von den Künstlern in der Welt etwas abgeschaut?

Abriss in der Schanze.

Ist das hier Kunst oder doch kriminell?

Sie ist ein großer Streitpunkt – öffentliche Street-Art, die illegal auf irgendwelchen Hauswänden oder legal mit Auftrag eines Laden- oder Blockbesitzers abgelassen wird. Aber in der Szene werden sie bewundert, wenn die Sprayer mit oder ohne Schablonen ihr Kopfkino auf die sonst so kahlen Flächen sprühen. Wenn Sonntags die Rollläden heruntergefahren sind, dann kommen sie auch tagsüber zum Vorschein – die Schanzen-Graffitis. Nicht nur die, sondern auch diese Mauerverschönerungen, die immer da sind.

Im Comic- oder GTA4-Style – Graffiti in der Schanze: Wenn die Rollläden unten sind, kommt Kunst zutage.

Graffiti an öffentlichen Orten

Ob Hauseingänge, Mülltonnen, Blumenflächen-Abgrenzungen oder Steinwände – nach dem Tod von OZ scheint es so, als wenn die Nachahmer erst so richtig Gas geben, um die Straßen mit Gemälden im Comic-Stil zu verzieren. Zwar gab es auch einige legale „Beschmierungen“, die wie große Bild-Storys auf unzähligen Stromkästen im In-Viertel Eimsbüttel, sogar mit Genehmigungen der Stadt, bepinselt wurden, aber irgendwie ist das nicht dasselbe.

Sogar Tim Mälzer scheint auf Graffiti zu stehen und hat seinen Burger -Wagen anpinseln lassen.

Die OZM Galerie gibt es nicht mehr

Zuletzt hatte man so etwas in der mittlerweile abgerissenen Galerie OZM von Alex gesehen, in der zum Schluss Darco FBI seine LIVE gemalten Werke ausgestellt hatte und der damals in einem Interview mit mir meinte: „Meine Kunst soll unvergänglich sein…!“  Er schilderte, dass er in Frankreich wegen seiner öffentlich aufdringlichen Malereien kurz in den Knast musste, dann aber, zurück in Freiheit, zu einem sehr bekannten Künstler aufgestiegen ist. Nicht zuletzt, weil er dann und unter anderem, eine Projektionsfläche in Hamburg bekommen hat, in der er sich austoben und zeigen durfte.
Wo ist der, oder sind die jetzt eigentlich untergekommen? Das ehemalige Kaffee-Kontor gibt es nicht mehr, ist nur noch eine weggerissene Baugrube in der neues Eigentum gebaut wird.

In der Schanze ist Graffiti an jeder Ecke sichtbar…

Malerei ist gleich wie Kunst und Musik

Das Thema ist so alt wie die Mode selbst. Im Film BEAT STREET, von Harry Belafonte, ist diese Fashion-Erscheinung ein ganz großes Ding. Parallelen nach Hamburg sind hier einfach sichtbar: Wohnungsnot macht in der Bronx von New York erfinderisch, vereint Graffiti mit Break Dance, führt also beide Arten als eine Version an Kunst zusammen.

Graffiti in der Schanze: Zu (fast) allem tragbar – der Klassiker Charly Vienna. Foto(s): Jörn Ehrenheim 

Ist die Schanze jetzt Klein Tel Aviv, oder so, wie Budapest, ein Abklatsch von Vorzeigestadtteilen, die wir in Ost-Europa nach der Aufbruchstimmung kennengelernt haben? Vielleicht. Aber darum geht es eigentlich nicht. Kunst sollte unabhängig von Politik betrachtet werden.