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Warum Ina Müller so krass unterhaltsam ist

Im Dezember 2017 kommt Ina Müller wieder auf ihrer Tour nach Hamburg zurück. Anfang April diesen Jahres schaute ich mir diese vorzügliche Entertainerin in der Barclaycard-Arena an und war von den alltäglichen Storys, die sie zu erzählen hatte, in denen sich sicher viele wiedererkennen und der kompletten und lebendigen  Show voll angetan. 

Sie plaudert aus dem Alltag, über ihr Alter, macht eher peinliche Situationen zum Gesprächsstoff, die sie beim Einkaufen oder im Klamotten-Shop erlebte und nimmt sich dabei gerne selbst auf die Schippe. Die lockere Erzählung über diese Themen kommt gut an, sorgt für Lacher und eine lockere Atmosphäre. Die Stimmung ist, wie an einem lustigen Kaffeetisch, als wenn Geschwister oder die ganze Familie zusammengekommen wären. Aber wenn ich die Augen wieder öffne und in die Runde schaue, sehe ich eine komplett ausverkaufte Arena, der sie mit enttabuisierten Krankheitsbildern einen Spiegel vorhält und mit einer Aufforderung zum Outing dieser so die Fans zum Mitmachen animiert: „Wer hat alles Schmerzen im Rücken…, der solle jetzt aufstehen?“ Und sie standen auf. „Ich zähle so viele Symptome auf, bis keiner mehr auf seinen Sitzen bleibt!“

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Ina Müller bei ihrem Konzert am 01.04.2017 in Hamburg

Viel cooler war natürlich das weiß angepinselte Piano von David Garrett, welches sie von dem Star-Geiger bekommen haben will: „Das klingt so komisch, ich schaue mal rein…“. Der Blick „unter die Haube“ sorgte für eine kleine Überraschung – eine Peitsche kam unter anderem zum Vorschein. Das war sicher eine Anspielung auf die vergangenen Geschichten, die über den Schönling durch die Presse gingen. Naja, jedenfalls machte sich die Blonde dieses Dingens zu Eigen und zum Mittel zum Zweck, steigerte sich in einem unterhaltsamen Dialog in eine Rolle hinein, in der auch sie einmal all´ ihre Wut hinauslassen konnte. Und das tat richtig gut…

Außerdem spricht die Talk-Show-Queen das Heiraten auf der Bühne an. Ihre Backgroundsängerinnen sind ja gerade frisch vermählt und schweben noch im siebten Himmel, wenn ich das mal so pauschal behaupten darf. Beim lockeren Plausch darüber vergleicht sie die Ringe, die sich voneinander sehr unterschieden. Die eine hat einen schlichten, die andere einen doch sehr auffälligeren an ihrem Finger. Was das zu bedeuten hat, finden Sie am besten einfach selbst heraus, indem Sie sich ein Ticket holen und sich diese Show ansehen.

In Hamburg darf man ja nicht lachen oder Leute ansprechen. Auf meinen Lippen lag aber immer ein Schmunzeln, weil Ina Müller genau das erkannte und am Ende des Konzertes das ebenso zum Thema machte: „Schauen sie ihren Nachbarn an, auch wenn sie ihn nicht kennen, umarmen sie ihn einfach – jetzt!“ Meine Güte, das sorgte bei mir schon für Schweißperlen auf der Stirn, denn das, so wusste es auch Ina Müller, gehört sich in der Hansestadt einfach nicht. Aber nur so sind die kühlen Norddeutschen zu knacken.

Dieses Konzert hatte alles, was es haben muss: Witz, Talk, Show! Diese lockere Schnute ist einfach nicht tot zu kriegen, und das ist auch gut so. Ina Müller holt mit ihren Geschichten ein ganzes Land aus einer trockenen Schockstarre!