Provinz Berlin Fashion Week: Keine Sichtbarkeit mehr und Designer wandern nach Paris
Die Mode-Hauptstadt war schon immer die unangepasste, wilde Schwester der großen Fashion-Metropolen, hatte auch zum Schluss den Charme der Aufbruchstimmung von Tel Aviv. Doch während Paris, Mailand und New York ihren Status als unangefochtene Mode-Olympier zementieren, kämpft die Berlin Fashion Week mit einer handfesten Identitätskrise, wegen der wir Abwanderungen beobachten. Gegensteuerung? Fehlanzeige!
Der Glanz der großen Zelte, den wir übrigens am Brandenburger Tor wahnsinnig genossen, ist längst verflogen. Heute regiert der Minimalismus, mal gewollt, mal aus purer Notwendigkeit.
Lena Hoschek hat, wenn auch unfreiwillig, den genau richtigen Absprung zu Corona geschafft!! Und was waren das für coole Zeiten, mit den besten After-Show-Partys der Österreicherin ever! Kilian Kerner und Marcel Ostertag sind Ästheten, die Inszenierungen brauchen und sie haben, nach ihrer großen Winter-Show, die Stellungen lange Jahre gehalten, wandern jedoch nun, wegen der professionellen Sichtbarkeit, die Deutschland nicht mehr hat, nach Paris weiter.
Warum die Locations schrumpfen
Wenn die Bühne in der Heimat zu klein wird, sucht man sich eine größere. Die Nachricht, dass die oben genannten Schwergewichte der Hauptstadt den Rücken kehren, traf die Berliner Modewelt ins Mark.
Früher hieß es: Sehen und gesehen werden, und zwar mit einer Vogue-Chefin oder Simone Thomalla und das in riesigen Industriehallen oder monumentalen Zelten. Heute findet die Mode oft in Galerien, Hinterhöfen oder sogar in der U-Bahn statt. Das hat zwei Gründe:
Das Budget-Diktat macht fast allen zu schaffen! Große Sponsoren wie Mercedes-Benz haben sich über die Jahre zurückgezogen. Ohne die massiven Finanzspritzen der Industrie müssen Designer die Mieten für ihre Show-Locations oft selbst stemmen. Und Berlin ist immobilientechnisch kein Schnäppchen mehr.
Der Wunsch nach „Authentizität“ bleibt natürlich. Die Veranstalter versuchen, die Not zur Tugend zu machen. Man nennt es jetzt „curated intimacy“. Kleinere Locations wirken exklusiver und „berlinerischer“. Doch hinter der hippen Fassade steckt oft das Problem, dass die internationale Presse bei 150 Sitzplätzen kaum noch einen Grund sieht, einzufliegen. Selbst Mode-Blogger werden einfach kurzfristig von den Einladungs-Listen gestrichen und verleugnet!
Genau das habe ich auf den Shows von rebekka ruétz und NOWRUBI gesehen. Die Media Riser tragen nur noch ein Zehntel von dem, was einmal ganz großes Kino war. Trotzdem schaffte es der Designer des Berliner Labels, das ZDF ranzuholen, um im Frühstücks-TV einen Minuten-Slot zu bekommen!
Die große Flucht der Berlin Fashion Week: Warum ausgerechnet Paris?
Für Designer vom Kaliber eines Ostertag oder Kerner geht es nicht nur um den Runway, sondern um die Sichtbarkeit als Marke. Die Internationale Bedeutung von Paris, die als der Mittelpunkt Europas gilt, weil dort die Einkäufer der großen Department-Stores aus den USA, Asien und dem Mittleren Osten sitzen, passt viel besser zur Vermarktung. In Berlin schauen oft „nur“ die lokalen Freunde und Influencer vorbei, die schon lange nicht den versprochenen Einfluss durch gekaufte Klicks generieren, wie sie es mal versprachen.
Fazit: Quo vadis, Fashion-Hauptstadt?
Berlin musste sich mal entscheiden. Will man das gallische Dorf der Avantgarde sein, das auf Nachhaltigkeit und Subkultur setzt, oder will man im Konzert der Großen mitspielen? Der Weggang von Ostertag und Kerner ist ein Warnschuss: Kreativität braucht Raum und manchmal ist dieser Raum in Berlin einfach zu klein geworden.
Was bleibt, ist eine Fashion Week im Newcomer-Wandel. Kleiner, feiner, vielleicht sogar ehrlicher. Aber der Glamour-Faktor hat nicht nur tiefe Risse bekommen, sondern ist komplett verschwunden. Während Paris die Korken knallen lässt, muss Berlin nun beweisen, dass es mehr ist als nur eine teurer werdende Kulisse für Streetwear-Partys…
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