Auffach3 (2)

Auffach-Wildschönau – irgendwie (k)ein Wintermärchen?

Ski-Juwel Österreich. Dieser Erlebnis-Bericht ist zwar zehn Jahre alt, zeigt allerdings, wie abgebrüht das Volk sein kann, wenn man sich auf die einlässt… Eine Reise-Warnung möchte ich das zwar nicht nennen, jedoch ein dickes Vorsicht aussprechen. Denn das kann immer und überall passieren:

Zwischen Nordkette und Zuckerhütl – Wie eine Theaterkulisse stehen sie da, die Riesen der Alpenrepublik. Die Wildspitze strotzt vor Macht und Ansehen. Die Tiroler Bergketten mit ihren menschlichen Abgründen sind die bekanntesten Steinbrocken Europas.

Hier trifft sich Natur mit Massentourismus, kommen Nordfrust auf österreichische Sturheit und Dauerschneefall, der die letzten Zweifel an einen gefühlten Ewigherbst weg pustet.
Lest meine kleine story und seht, wie man schnell abgezockt werden kann.

Bauernhöfe, wie man sie eigentlich nur noch in Museen und aus der Zeit um 1775 findet, mit Kühen, die täglich frische Milch geben, die sogleich auf dem Frühstückstisch landet, dazu ein Skigebiet in direkter Nähe; ja, das hört sich nach einem Wintertraum an, wenn er hautnah gefühlt wird.
Wir haben (k)einen erlebt.

…heute nehm´ ich euch noch ´n Zehner pro Person für das Frühstück extra ab!!

Die Herbergsmutter versuchte so nachträglich abzuzocken

Die Hochsaison hat gerade erst begonnen, da sind auch schon viele Häuser ausgebucht und buhlen weiter um ihre Gäste. Jeh später der Schneefall einsetzt, desto schlechter läuft bis dahin das Geschäft. Wenn’s dann rieselt und die Flocken fallen, gehen die Busse und Gondeln in den Dauerbetrieb über und bringen Wintersportler in die Berge.

Ein beliebtes Ziel ist Auffach in der Gemeinde Wildschönau (liegt knapp unter 1000 Meter hoch). Dieser Ort ist darauf ausgelegt, die Urlauber locker zu bespaßen. Einer der Anlaufpunkte ist die Schwebebahn, die die Snowboarder und Skifreunde in die höchsten Gipfel transportieren. Wer nach der Abfahrt ’ne Stärkung braucht, findet „Am Platzl“ schnelle Bedienung und gutes Essen. Reservierung empfohlen. Ein weiterer heißer Tipp ist die „Talmühle“! Gemütlich, tirolerisches Ambiente, gute Preise. Da stimmte einfach alles.

Jedoch – Nicht überall ist man herzlich Willkommen, denn auch das ist Tirol:
Durch Blitze getötete Hausherren und damit vernichtete Existenzen, welche ganze Familien auseinander gerissen haben und Gasthäuser verrotten lassen, die wir mit erstaunen und Neugier erkundeten oder die Hausdamen, die einfach so über Gäste-Köpfe bestimmen möchten, wer was wie zu bezahlen hat und damit eine Entmündigung provozieren und der wirklich schlechte und aufdringliche Service im Restaurant Marius, der durch unaufhörliches Nachfragen, ob man nicht doch noch was verzehren möchte, richtig abnervte, denn wenn nicht, mehrmals eine falsche und überteuerte Rechnung präsentiert bekommt, die zur Krönung auch noch doppelt abkassiert werden sollte! „Wir haben gerade komplett neues Personal einzuarbeiten. Geben Sie uns die Gelegenheit, das Problem zu beheben…“, so die Geschäftsführung per mail an mich.

Natascha Kampusch und Josef Fritzl sind, jedenfalls in unseren Gefühlen, allgegenwärtig. Man spürt geradezu die Abgründe, die sich in den tiefen Tälern verbuddelt haben, ja so, als wenn sie sich wie eine Art schwarzer Schleier über unsere Köpfe bewegen würden. Dazu diese forsche Unfreundlichkeit der Innsbrucker und die teilweise Abneigung der Tiroler gegen Deutsche, die an Zeiten eines Führers erinnert, der mit einem Egoismus Entscheidungen traf, ohne andere zu fragen. Denn als eingedrungener Fremdkörper wird man hier überall streng beobachtet und als solcher von den Einheimischen behandelt.

Wenn der Schneefall einsetzt, beginnt die Wintersport-Saison.

Wenn der Schneefall einsetzt, beginnt die Wintersport-Saison.

Die Dorfkirchen - Von außen schön, im inneren triste Veranstaltungen.

Die Dorfkirchen – Von außen schön, im inneren triste Veranstaltungen.

Morgens, um 05:30. Die Küche werden gemolken.

Morgens, um 05:30. Die Kühe werden gemolken.

Der Hofbauer bringt die geerntete Milch in Sicherheit. Später finden wir sie auf dem Tisch...

Der Hofbauer bringt die geerntete Milch in Sicherheit. Später finden wir sie auf dem Tisch…

Nach dem melken ist beim Frühstück die Tages-Zeitung dran.

Nach dem melken ist beim Frühstück die Tages-Zeitung dran.

Sehr enttäuscht haben uns die lieblosen Krippenspiele in diesen märchenhaften Kirchen von Auffach und Unterau. Die hätten die Österreicher gleich ganz weglassen können. Dasselbe gilt für die Mitternachtsmette, die normalerweise ein Klassiker, auch unter den Nichtgläubigen ist. So etwas trost- und einfallsloses kam mir echt selten unter. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so etwas schlechtes erlebt zu haben. Einstimmig erkannten wir eine Traurigkeit in diesen Gesichtern der Pastoren und spürten das Lustlose in den Stimmen seines Gefolges. Das war schon sehr beängstigend. Keine Orgel, kein Gesang eines Chores erklang und begleitete. Man fühlte sich, gerade zu Weihnachten, richtig gestraft.

Alles in allem verlasse ich das Skigebiet mit verdammt gemischten Gefühlen. Aus unserer bäuerlichen Unterkunft wurden wir am letzten Tag regelrecht herausgegrault: „…heute nehm´ ich euch noch ´n Zehner für das Frühstück extra ab!!“ Zuvor bettelte die Herbergsfrau jedoch, ob man nicht einen Tag länger buchen könne! Unverschämtheit.
Diese Erlebnisse müssen erst einmal geknackt werden.