Yoani Sánchez Twitter

Kuba nach Protesten: „Die Regierung lügt, ich will hier raus…!“

Nach Proteste wegen Hunger in Kuba – Wie ist die Lage in Havanna? Ich habe einmal im Kommunisten-Staat nachgefragt und meine „Freunde“ dazu interviewt, die vor Ort das ganze Drama mitbekommen haben und dort weiter leben müssen:

Die Zeit berichtet von 5000 Festnahmen, andere Medien von ebenso brutalem Niederschlagen von friedlichen Protesten der Kubaner, die für ein lebenswerteres Leben kämpfen. Prominente unterstützen die mutigen Freiheitskämpfer und hoffen  auf einen Wandel…

10.08.2021. Der wurde wieder einmal von der Regierung versprochen, allerdings glauben viele nicht mehr an wirklichen Reformen und bezeichnen die Regierung als „Lügner„! Mein TATTOO-Kumpel hat mittlerweile die Schnauze so voll, dass er nun Gelegenheiten suchen möchte, um das Land verlassen zu können!! Das erinnert an die DDR-Zeiten, in denen ebenso Millionen wegen zu starker Bevormundungen und Stacheldraht flüchteten!

Er sagt jetzt: „ICH will hier weg und raus!“

Miguel zeigt per whats app einen Lastwagen, der aktuell in seiner Straße in Havanna steht und der Armee gehören soll: „Diese Lüge, der wir täglich begegnen, ist 62 Jahre alt! Wir hoffen immer auf ein Ende, die Wahrheit ist, dass alles Unterdrückung bedeutet…“

Miguel, der Tattoo-Künstler, der in seiner Wohnung heimlich agieren muss, sagt: „Wir haben noch keine Informationen darüber, dass wir LEGAL sein dürfen…
Und jetzt wollen sie außerdem so tun, als wären sie gut darin, die Leute zu beruhigen. Aber alles ist erzwungen…!“

Wegen Netz-Blockade – Freunde sind wieder erreichbar!!

12.07. – 15.07.
…und sie schildern die Sicht ihrer Dinge über die Proteste in Kuba, Havanna, wegen Hunger und Not: „Wir hoffen, das System stürzen zu können, Kuba ist shit…!!!“, sagt einer meiner Freunde, die ich zum Interview zur aktuellen Lage in Havanna per Handy erreiche. Trotz Netz-Blockade.

Kuba, Proteste in Havanna:

„HUNGER ist eine WAFFE, um Menschen an sich zu binden und gefügig zu machen!“ Denn wenn sie als Sklave funktionieren und gehorchen würden, dann bekämen sie einen Gutschein für den Monat mehr, um sich ein zusätzliches Brötchen „kaufen“ zu können. Kennt ihr diese Machenschaften auch noch? Genau, nämlich aus der Ost-Zone. „Bist Du mit mir, dann hast Du hier ein besseres Leben…!“, so die Roten Socken. Und tust Du nicht, was ich Dir sage, dann gibt´s richtig auf die Fresse!!

Kuba: „Die Regierung und der Diktator lügen, ich bin stolz auf mein Volk!“

Alona Roman (Künstlerin aus Havanna), Carlos (ehemaliger Tänzer von Havana Nights) und Miguel (Tattoo-Künstler aus Havanna). Plötzlich, nach Tagen der Ungewissheit, meldet sich mein Freund und Tattoo-Künstler Miguel aus Havanna und klingt erfreulicherweise sehr mutig: „Die Regierung und der Diktator lügen, ich bin stolz auf mein Volk, weil sie jetzt auf die Straße gehen!“ Tja, was mögen jetzt die Linken Hardliner aus Berlin und dem Rest Deutschlands sagen und tun…? Denn das, was die Corona-Krise aufdeckt ist eine unverantwortliche Misswirtschaft, die die langatmige Antwort auf die jahrzehntelangen Verbote des Lebens, Kontakte zu halten, Blockade der eigenständigen Entwicklung und und und…

Kuba mit erneuter Blockade gegen sein eigenes Volk!

„Ihr seid Würmer und Parasiten-Söldner der Amerikaner!“ Genauso verfährt der neue „Präsident“ Kubas, der, seitdem er die geschenkte Macht von den Castro-Brüdern übertragen bekommen hat, mit den ewig langweiligen Frasen, wie: „Schuld an den Protesten in unserem Land sind die Amerikaner…!“ billig umherschreit. Ja, klar!! Das er wegen seiner Unterdrückungspolitik seit dem 12.07.2021 das Netz komplett blockiert hat, um weitere und (fast) unkontrollierte Meinungsfreiheit erneut zu verbieten, erzählt der neue Diktator nicht!!

Seit Tagen waren daher meine Freunde kurzzeitig nicht mehr erreichbar!! Sie waren, wie in echten Ost-Zeiten, bis auf eine einzige Ausnahme, nicht mehr per whats app und anderen Kanälen anschreibbar. Wahrscheinlich wurde das Handy abgenommen oder Haft angesetzt. Befürchtet wird von der Regierung andererseits, dass auch dem Letzten die Angst genommen wurde und auch er an den Straßen-Demonstrationen teilnehmen wird. Tausende Unschuldige sind mittlerweile in Haft. Freiheitsrechtler fordern daher die sofortige Freilassung der BürgerInnen Kubas! Sogar spanische Journalisten, die LIVE von den Protesten berichteten, wurden eingesperrt.

Kuba – Künstlerin Alona Roman, 2020, Januar, in Havanna auf ihrer ersten und einzigen illegalen Vernissage, auf der sie mit einer künstlerischen Performance deutlich machte, dass sie in diesem Land NICHTS zu erwarten habe… Aus Angst vor Repressalien des Regimes, zog sie alle provokanten Werke offiziell zurück.

Hungersnot im Kommunismus?

Das Capitol ist DAS Symbol der Freiheit und Menschlichkeit. Es steht auch in Havanna.
Von hier aus startete der Protest-Zug, um die Aufmerksamkeit der Regierung zu bekommen: „Wir haben nichts zu essen, wir verhungern hier und Wohnungen haben wir auch nicht…!“, meint ein Demonstrant in die Kameras der Nachrichten, die auf sicher nicht im kubanischen TV gezeigt werden. Das widerspricht genau dem, was wir noch von den Kubanischen Propaganda-Sendungen auf ARTE gesehen habe: „Wir renovieren nun alle Häuser und übergeben sie dann unseren Bürgern…!“, sagt ein Roter frech in die laufende Linse.

Lügen, Gewalt, Einschüchterung = Sozialismus!

Eine eingeschüchterte Künstlerin, die in Havanna studiert(e), Alona Roman, erreiche ich dann doch noch am 13.07. Sie äußerte sich per whats app sehr vorsichtig, weil sie schon vor einem Jahr ihre provokanten Kunstwerke, im Netz ausgestellt, zurücknehmen musste, um keine weiteren Repressalien und den Rausschmiss aus dem staatlichen Atelier erfahren zu müssen. 2020 äußerte sie sich noch so: „Wir leben in einem Gefängnis und ich will hier raus!“ Nun, ein Jahr später, wolle sie einen Job für 20,-€ im Monat angenommen haben, den sie nach eigener Aussage nur bekam, weil sie ihre Linie geändert habe: „Ja, es stimmt, hier sind Proteste. Aber heute wird nichts mehr passieren…“

Kuba, Proteste in Havanna wegen Hunger gehen weiter. Da hat sie sich geirrt. In verschiedenen Städten gingen die Proteste weiter! Und auf die Frage der Nahrungsknappheit meint sie: „Ich verstehe diese Frage nicht, wir haben Essen in unserem Haus…“

Heute, nach den irren Nachrichten von gestern, klingelte sogleich mein Telefon. Mein Kumpel, der mit einer Kubanerin verheiratet ist, erzählt mir sogleich die Neuigkeiten, die sie noch kurz vor dem Abschalten des Netzes und der Telefone von ihrer Mutter, die nahe Santiago de Cuba lebt, erfahren haben will: „Raul Castro soll mit seiner Familie nach Venezuela abgetaucht sein…

Lest auch: Kuba – Wie Corona die Tattoo-Künstler beeindruckt

ANGST um meine kubanischen Freunde: Online-Redakteur Jörn Ehrenheim und Tattoo-Künstler Miguel, der sein „Geschäft“ illegal in seiner Wohnung betreiben muss, weil es eine Grauzone ist. In der Fabrica de Arte in Habana, im Februar 2020, tanzten wir noch vergnügt zu den Werken von Rottenberg…

„Proteste von Amerikanern gesteuert…!“

Kuba, Proteste, Havanna, Hunger. Der Diktator Miguel Diaz-Canel ist ein offensichtlicher Lügner und lässt die gut ausgerüsteten und neuen Sicherheitskräfte auflaufen, um wieder Ruhe in die „Krisengebiete“ zu bringen. Dadurch, dass gefühlt ja eh schon jeder dritte Polizist ist oder der PNR angehört, dürfte es kein Problem sein, das Volk wieder in Reih´ und Glied zu ordnen. Yoani Sánchez, eine der größeren RevolutionärIn der Jetztzeit, war auf der Demo in der La Calle San Rafael wohl dabei, in der ich oftmals Urlaub machte. Sie berichtete von den erst friedlichen Protesten auf ihrem Twitter-Kanal, die dann doch mit der Verhaftungswelle aus dem Ruder lief…

Haben die Bürger endlich die Schnauze von den Bevormundungen voll? Sind die eigens herausgegebenen Erfolgsmeldungen, dass Kuba ja vier eigene Impfstoffe entwickelt, um sein Volk dann durchzuimpfen, also ebenso eine Lüge und ausgedacht? Denn neben den fehlenden Lebensmitteln, sind, wie gewohnt, die „Apotheken“ immer leer. Nicht nur das, auch die Dollar-Läden sollen nie das gehalten haben, was vorher versprochen wurde. Außerdem rafft auch auf Kuba Corona die Bürger dahin…

Er sieht ein wenig aus, wie CHE – Etwas unscharf und ich mit fettem Bauch – Tänzer Carlos, der vor Jahren mit Havana Nights in Hamburg und Europa tourte und ICH, als Redakteur, der den erwachsenen Kindergeburtstag einer Französin im Januar 2020 redaktionell begleitete: „Cuba is so shit!“ Er schrieb mir außerdem, dass die Regierung das Internet immer wieder kappt und sie sofort Hilfe bräuchten. Ab und an, wenn er Netz bekäme, haben sie die Möglichkeit, die aktuelle Lage zu bewerten…

Der Schuldige? Die Amerikaner!

Kuba, Proteste, Havanna, Hunger. Der Welt-Präsident Biden lässt sich jedenfalls vom Diktator Putin nicht das Wort verbieten und bekräftigt seine Hilfestellung: „Wir sind auf der Seite des kubanischen Volkes…!“ Und das sind wir ebenso. Ob sie jedoch ihre erneute Revolution nun noch einmal schaffen, wie vor Jahrzehnten, ob sie dieses Mal schon stark genug dazu sind, den Sozialismus zu stürzen, das bleibt nun abzuwarten…

„Wir liebten Fidel, aber wir hassen den Kommunismus…!“

Da kommen doch die Forderungen der Linken Lager wie Hohn daher. Wenn sie immer wieder meinen, die Blockade, die die Amerikaner zu verantworten haben sollen, JETZT aufzugeben, klingt das wie eine lächerliche Drohung! Denn so funktioniert der Deal nicht: „Wir liebten Fidel, aber wir hassen den Kommunismus!“ Das war die überwiegende Meinung der gesamten Bevölkerung. Nun, da der fluchende und charismalose neue Mann die Geldscheine nicht richtig halten kann, sich vermutlich nur selbst die Taschen vollstopft, sieht’s eher schlecht für den Sozialismus aus…

Zur History Kubas

Als Fidel Castro sein Land 1990, nach dem gesamten Zusammenbruch des Ostblocks 1989, für den Tourismus öffnen musste, tat er das nur zähneknirschend. Denn so prallten zwei krasse Welten aufeinander. Alles war im Kommunisten-Staat verboten: Kontakt mit Einheimischen aufnehmen, Geschenke annehmen, Geschäfte machen, seine Meinung äußern, sogar das Besuchen von Verwandten in einer Stadt des eigenen Landes war strafbar, wurde durch Checkpoints überwacht.

2014 hob Raul Castro (un)verständlicherweise das Handyverbot auf, nannte es sogar „unsinnig“ und schaltete 2018 das Netz frei. Durch das lahme Internet, welches bewusst von den Hardlinern gedrosselt wird, um keine Gefahr für die Meinungsfreiheit zu werden, war es jetzt auch den Kubaner teilweise und selbst möglich, sich über Gott und die Welt real zu informieren.
Dadurch bekamen sie mit, dass es Reisefreiheiten und auch noch andere Systeme als den Sozialismus gibt.

Der neue „Präsident“, Miguel Diaz-Canel, kappt das Netz wieder, um die neuen Begerenheiten, die Sehnsucht machen, zu unterdrücken! Mittlerweile, aufgrund des öffentlichen und großen Druckers von außen, macht der neue Diktator Zugeständnisse und erlaubt, dass Nahrungsmittel und Medikamente von Touristen reingebracht werden können…