Das Ende der Solidarischen Mahnwache auf dem Kiez

ENDE der Solidarischen Mahnwache – (M)Einen Tag mit dem Kiez-Kollektiv

Das war es, mit der Solidarischen Mahnwache. Dieses Projekt ist nach sieben Monaten, also 5000 Std. beendet. Auf der Facebookseite wird Abschied mit Abbau-Bildern gefeiert und alle kommentieren nochmal, wie schade das mit dem plötzlichen Ende ist. Eigentlich sollte das Zelt den ganzen Sommer noch stehen, um auch nachhallen zu können.

Die Stimmung und der Spirit wurde immer wieder mit Einsätzen von Beamten wegen Masken-Ignoranten und anderen (minimalen) Vergehen unterbrochen. Hat’s wohl und schließlich irgendwann gereicht?

(M)Einen Tag mit dem Kiez Kollektiv an der Solidarischen Mahnwache in Hamburg. Sie wackelte, hatte kurz Schlagseite, schüttelte sich jedoch und fiel nicht – der kollektive Zusammenhalt der AktivistInnen für die Kunstszene auf der Reeperbahn, ist mit seinem Kibbuz-Feeling stärker und entschlossener denn je.

Ines von der Solidarischen Mahnwache für den Kiez

Kollektive Solidarität steht im Mittelpunkt

Ich fühle mich, nach ein paar Stunden, wie in einer eingebetteten Gemeinschaft, die sich um sich selbst kümmert. Man könnte sogar Parallelen zu einem Kibbuz ziehen, indem die Solidarität an erster Stelle steht und die sich mit Ideen, Bereitschaft zur Unterstützung und das Einbringen seiner Empathie für das Wohl des Anderen, wie es in Israel üblich ist, zu einem funktionierenden Dorf wird. Schließlich sind diese gut organisierten „Familien“ von dort sehr bekannt.

Ines ist ebenso eines der Kiez-Mitglieder, die backt mal eben ´nen fetten Kuchen, den sie zur Wache mitbringt und an dem sich JEDER bedienen soll: „Das Rezept habe ich von meiner Oma…!“ Auch ich darf probieren und bin darüber erfreut, dass ich mit diesen freundlichen Gesten in die Kommunikation untereinander eingebunden werde…

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Solidarische Mahnwache Kiez: Hier spielen ab und an Bands und sorgen für gute Unterstützung und Unterhaltung um das Projekt zu fördern.

Solidarische Mahnwache und das Kiez-Kollektiv

Täglich kommen Schaulustige vorbei, die dieses Projekt aus der Presse kennen, über welches eigentlich schon jeder berichtete. Sie wollen Selfies machen und vielleicht auch ein wenig dazugehören. Sogar eine Polizistin von der Davidwache komme ab und an, um Schuhe und andere Anziehsachen vorbeizubringen, kleine Spenden da lasse, erzählt einer.

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Samstags protestiert die Taxi-Szene zusammen mit der Solidarischen Mahnwache am Hans Albers Platz. Der Corso endet auf dem Spielbudenplatz…

Kleine Rückschläge können stärker machen

Diese Jetzt-erst-recht-Stimmung ist nach kurzzeitiger Unstimmigkeit und dem Ausstieg einiger „Einzelner, denen Zelt-Abriss und Sammel-Konto-Veruntreuung“ nachgesagt wird, spürbar, gab es doch gefühlt zehn Mal mehr positive Bekundungen und schnellere Hilfe, um alles wieder besser aufzubauen, als zuvor – und das größer, als bisher! „Wir sind allen gut gesonnen, fangen quasi wieder von vorne an, brauchen daher dringend Spenden!“, sagt Tanja, die sich nicht nur mit ihrer Anwesenheit einbringt, sondern auch ein Sprach-Rohr ist.

Alles für die große Sache,

…um die Künstler durch das Kiez-Kollektiv und die Solidarische Mahnwache zu unterstützen, die heute noch auf zugesagte staatliche Unterstützungen warten oder so langsam daran zu zerbrechen drohen, nicht vor Publikum auftreten zu können. Genau davon singen wir alle ein Lied, schließlich berichtete TouchYou.de jahrelang über Live-Konzerte, wie das DEICHBRAND oder Wutzrock-Festival rauf und runter.

Tanja Krohn für die Solidarische Mahnwache für den Kiez. Das neue Zelt ist größer und bietet sogar noch mehr Platz.

Im Talk mit Tanja zur Solidarischen Mahnwache

Ich komme mit Tanja Krohn, einem Mitglied des Kiez-Kollektiv über die Solidarische Mahnwache ins Gespräch, welches seit fast Beginn an, also Oktober 2020, dabei ist und auf den Punkt erklärt, wie wichtig es genau jetzt ist, mit starker Präsenz zu zeigen, dass sie da sind und komplette, fast bedingungslose Unterstützung wollen:

TouchYou.de: Was meinst du, wie lange wird es die Mahnwache noch geben?
Tanja Krohn: „Sicher noch weit über Corona hinaus, weil dieser Schaden, der ja da ist, einer sein wird, der noch lange Nachwehen nach sich ziehen könnte. Es muss doch vieles an Verlusten reingeholt werden, was verloren ging…“

TY.de: Warum arrangierst du dich persönlich so für diese Sache?
Tanja Krohn: „Ich organisiere in verschiedenen Locations gemeinnützige Veranstaltungen und kenne dadurch viele Künstler und weiß, dass da Fördergelder fließen, nur leider nicht an die richtigen Leute. Aus diesem Grund bin ich hier und stelle mich mit ihnen solidarisch.“

TY.de: Hast Du denn schon Resonanz und Erfolg gespürt?
Tanja Krohn: „Es war Kiez-Prominenz da, die hinter uns stehen, sogar die Taxi-Szene, die auf unsere Sache aufmerksam macht. Es passieren weitere Dinge, wie auch, das die Polizei mit Rat und Tat weiterhilft.“

Neu ist allerdings, dass die Mahnwache wegen der nächtlichen Ausgangssperre ihre Zeiten anpassen musste. Demnächst wird ein neues Spendenkonto eingerichtet, damit gewährleistet ist, dass alles seinen sozialen Gang geht.

Wir haben beschlossen, mit unserer Solidarität und mit unseren Mitteln zu helfen, dass die Sichtbarkeit erhalten bleibt und dass das Projekt an sein Ziel kommen kann.



  1. Liese Solevej

    Lieber Jörn,

    erst einmal meinen Respekt für die gelungene Präsentation. Ja…die Corona Zeiten fordern momentan sehr viel von uns ab…und ja…heute ist gelebte Solidarität wichtiger denn je.
    Auch ich konnte die Mahnwache als eine persönliche Bereicherung wahrnehmen. Nicht nur, dass man spannenden Menschen begegnet, sondern man erlebt auch eine unglaubliche Erdung und respektvolles Miteinander. Besonders positiv habe ich aufgenommen, wie schnell die Schichten mittlerweile schon vergeben sind.
    Selbst die gerade “recht dezimierten Zeitfenster” schenken den Initiatoren dennoch großartigen Improvisationsgeist und Durchhaltevermögen. Was will man mehr…

    Liese Solevej


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