Teheran Tabu (3)

„Kein zurück in den Iran“ – Im Talk mit TEHERAN TABU

Das Thema IRAN und Verbote ist immer brandaktuell – weil man nie weiß, wie sich der Wind in welche Richtung drehen wird, wie willkürlich und brutal die Regierung handelt, wenn jemand die Wahrheit auf die Leinwand bringt. Ein sehr mutiger Regisseur (Ali Soozandeh), der in Wien gedreht und sich einem TABU angenommen hat, über Sex, Drogen, Prostitution und Korruption einen wahnsinnig tollen Film geschaffen hat, der aufzeigt und gleichzeitig offen legt, was alle wussten, jedoch keiner sich traute zu zeigen. 

TouchYou.de traf die in Köln im Exil Lebenden in Hamburg zum Interview. Wir wollten alles über das Werk TEHERAN TABU wissen. 

TouchYou.de: Sehr mutig, diesen Film zu machen. Ich habe schon viel gesehen und doch hat mich dein Meisterwerk sprachlos gemacht. Du gehst ganz klar auf die Verstrickungen zwischen Sex, Drogen, Prostitution und Korruption ein und gibst durch die gespielten Charaktere und den damit zusammenhängenden Geschichten den Problemen ein Gesicht, indem du die real-alltäglichen Situationen der einzelnen aufzeigst.
Hast Du bewusst damit provozieren wollen? Warum hast du diesen kompromislosen Film gemacht?
Ali Soozandeh: „Ich wollte nur Antworten auf meine Fragen finden. Es gab keinen Grund für Provokationen. Eher interessiert mich, warum keiner direkt über diese Tabuthemen spricht, die alltäglich stattfinden. Partys und Musikkonzerte gibt es nur privat, aber nicht in der Öffentlichkeit. Antworten aber, gab es nicht wirklich…“

TY.de: Warum eine Überzeichnung – Animation? Hier wirkt sogar die Stadt schöner, als sie ist…
Ali Soozandeh: „Wir haben in Wien gedreht, weil es in Teheran nicht möglich ist. Man kann in Marokko was machen und sagen, `das ist Teheran´. Die Straßen im original nachzubilden, war für uns nicht umsetzbar. Dann kam die Frage der Technik. Wir haben einiges getestet, auch mit Puppen. Das hat alles nicht funktioniert, weil – das ist ein Film für Erwachsenen, nicht für Kinder. Bei all den Techniken hat aber der Bezug zur Realität gefehlt. Darum haben wir uns am Ende für das jetzige Ergebnis, für eine Überzeichnung als Animation entschieden.“

TY.de: Viele leben hier im Exil. Aktuell kann Regisseur Mohammad Rasulof nicht beim FFH dabei sein, weil sein Pass wieder abgenommen worden ist, als er eine Woche vor Start des Festivals in den Iran flog. Gehst du zurück und wenn ja, womit rechnest du?
Ali Soozandeh: „Wir wissen nicht, was passieren wird, weil es keine klaren Gesetze gibt. Aber alles ist möglich, weil Willkür an der Tagesordnung steht. Ich plane derzeit jedenfalls keine Rückkehr in den Iran…“

TY.de: Wie hat sich das Leben nach dem Veröffentlichen des Filmes und den nicht ausbleibenden Wirbel um ihn für euch verändert?
Ali Soozandeh: „Eigentlich habe ich noch keine Hassmails bekommen. Es gibt allerdings im Iran Zeitungsartikel über meinen Film, indem er mit Standardsätzen als negativ und nicht wahr abgestempelt wird…“

TY.de: Also ist deine Story ausgedacht, die Du in TEHERAN TABU erzählst?
Ali Soozandeh: „Nicht ausgedacht, aber alles ist fiktiv. Ich weiß, dass es das alles genau so gibt. Vielleicht nicht in dieser Zusammensetzung und Verstrickung, wie ich sie hier anbiete, allerdings in dieser Form schon.“

TY.de: Sahra Amir Ebrahimi. Du spielst Sarah in TEHERAN TABU. Kannst du dich noch einmal zu den Vorwürfen gegen dich äußern, die dich ins Exil nach Frankreich getrieben haben? Und wie hast du deine Flucht aus dem Iran geplant?
Sahra Amir Ebrahimi: „Ich kann soviel sagen, dass ich für 10 Jahre ein Arbeitsverbot im Iran habe. Es musste außerdem eine Garantie hinterlegt werden, dass ich wieder zurückkehre…“

TY.de: Elmira, hast Du die Rolle die Du spielst selbst erlebt oder im Bekanntenkreis zu hören bekommen?
Elmira Rafizadeh: „Vom Hören-Sagen. Nicht jetzt eins zu eins, aber ich weiß es von Sandkastenfreundinnen. Arbeitslosigkeit ist heute natürlich dort ein ganz großes Thema. Wenn eine Frau dann noch geschieden ist, hat sie einfach keine Möglichkeiten, ein eigenständiges und vernünftiges Leben zu führen.“

TY.de: Wie schätzt ihr die politische Lage im Iran ein. Wird sich etwas verändern, wenn ja, wann?
Elmira Rafizadeh: „Ich hoffe, dass es besser werden wird. Im Oktober war ich vorerst zum letzten Mal im Iran, um meine Familie zu besuchen…“
Ali Soozandeh: „Die Frauen fangen an, sich gegen Musik- und Lebensverbote zu wehren und haben den sogenannten ´weißen Mittwoch` ins Leben gerufen. Hier wird das Kopftuch in den Nacken, als eine Art Schal fallen gelassen. Während das gesamte öffentliche Geschehen, wie Partys und private Treffen in den eigenen Wänden passiert, brodelt es jedoch immer mehr…“

Wir danken Euch für diesen spannenden Talk, für diesen fantastischen Film und wünschen Alles Gute!